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Arbeit.
läßt die Arbeit noch als Feind erscheinen — aber als einen Feind, an dem sich schonEhre erholen läßt. So wird die Arbeit zu einer Schule der Selbstüberwindung,des Gehorsams und der Treue. Aber zur Lust wird auch die Arbeit, wenn nundurch jene zwei Stufen hindurch mit der Arbeitskraft auch die Arbeitsfertigkeit so ge-wachsen ist, daß die Arbeit leicht von statten geht, daß Früchte sichtbar und genießbarWerden, daß aus ihr dem Denken Licht, dem Wollen Stärkung, dem Gemüthe Be-friedigung zuflicßt. Und diese Lust ist wiederum der mächtigste Hebel der Kraft.Wann leuchtet des Schülers Auge am freudigsten, klarsten? Ist es nicht dann,wenn es dem Lehrer gelungen ist, seine Arbeitskraft recht in ihrem innersten Grundeanzuregen? Umgekehrt: wann sind die Schüler am verdrossensten, schwierigsten?Dann unfehlbar, wenn es der Lehrer nicht versteht, sie in Arbeit zu setzen. DieArbeitslust und die Arbeitskraft, beide in natürlicher Wechselwirkung mit einander,können also ganz aus der Arbeit selbst geholt werden. — Daneben nun erscheinenandere Mittel, welche eine falsche Erziehungskunst anwendet, um Arbeit zu lehrenund anzugewöhnen, nicht nur als unsittlich, sondern auch als unnöthig und unwirksam,wir meinen den Terrorismus, die Anregung des Eigennutzes und die Auf-stachelung des Ehrgeizes. Sie können höchstens eine Angewöhnung, bei manchenNaturen große Fertigkeit, wohl auch eine epikureische Befriedigung hervorbringcn, nieaber die nachhaltige, reine Freude und Hingebung erzeugen, welche allein aus derArbeit selbst, als einer göttlichen Pflicht erwächst, abgesehen davon, daß sie die sitt-liche Natur des Zöglings vergiften. In dieser Entwicklung der Arbeitslust und Ar-beitskraft durch Arbeit hat aber die Erziehung alle Aufforderung, Maß zu halten, dablinder Eifer und ebenso blinde Zärtlichkeit nach zwei Seiten hin zu fehlen so sehrgeneigt sind. Sie darf nicht vergessen, daß zur Arbeit die Ruhe gehört, daß beideGeschwister sind, freilich, wie Kastor und Pollux, getrennt. Aber das richtige Maßder Arbeit und Ruhe in ihrem Verhältnis zu einander zu finden, ist ebenso scbwerals nothwendig. Wie lange soll der Zögling arbeiten, wie lange ruhen? Wie oftabwcchseln mit Arbeit und Ruhe? Wann arbeiten, wann ruhen? Die Erziehungs-lehre kann auf diese Fragen wohl im allgemeinen, nicht aber im einzelnen bestimmteAntworten geben. Die Ausdauer bei der Arbeit beruht cinentheils auf der Kraft,anderntheils auf dem guten Willen, diesen kann man von allen verlangen, jene giebtdie Natur. Darum bcmefsc der Erzieher die Arbeitszeit allein nach der Kraft, undwenn er mehrere Zöglinge zugleich arbeiten lassen muß, nehme er die Kraft derschwächsten zum Maßstab und gleiche das Mißverhältnis dadurch aus, daß er denstärkeren in gleicher Zeit das Maß der Aufgabe erhöht. Bis zur Erschöpfung jedochdarf es aus medicinischen wie pädagogischen Gründen nicht kommen. Ein aufmerk-samer und gewissenhafter Erzieher kann durch Beobachtung auf das richtige Maßkommen, das er in Arbeit und Ruhe bei seinen Zöglingen anwendcn darf. Eineandere, nicht weniger wichtige Frage ist: wenn nun das Maß der Arbeitszeit fest-steht, was ist besser, diese Arbeitszeit in größere oder kleinere Abschnitte zu theilcn,in wenigere oder mehrere, mit längeren oder kürzeren Unterbrechungen durch Ruhe?Obwohl auch hier Rücksichten wie Individualität/Alter, Jahreszeiten wesentliche Ver-schiedenheiten begründen, so muß doch im allgemeinen als Grundsatz ausgesprochenwerden: ein allzuhäufiges Unterbrechen der Arbeit durch Ruhezeiten fft vom Uebel!Ausdauer ist eines der Haupterfordernisse rechter Arbeit, aber gerade zur Ausdauerkommt es nicht bei jenem System kleinster Arbeitszeiten: lieber im ganzen etwas ab-gebrochen, und die einzelnen Zeiten länger gemacht, bei den jüngeren nicht unter einer,,bei den älteren nicht unter zwei Stunden! Ja zur Vorbereitung auf Außergewöhnliches-darf dieses Maß wohl auch verdoppelt werden. Freilich auch die Ruhezeiten zwisckender Arbeit sind ebenfalls richtig zu bemessen. Nach zwei Stunden angestrengter Ar-beit braucht der Knabe und im Wachsen begriffene Jüngling wohl eine halbe StundeErholung, nach vier, auch mit dieser Pause, wenigstens zwei; ebenso nach Tagen derArbeit seine Nachmittage und seinen Lonntag, nach Monaten seine Vacanzwochcn.Wann, fragt es sich drittens, ist Arbeit, wann Ruhe geboten? Von Natur gehörtder Tag der Arbeit, die Nacht der Ruhe; indessen haben auch die Morgenstundendes Winters vor Sonnenaufgang, wie die köstlichen Arbeitsstunden nach Sonnenunter-gang, ihr Gold im Munde. — An pünctlichen Anfang und gehöriges Aushalten der