Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Abschrecken.

Abwechslung.

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In den Schulen und zwar sowohl bei fähigen als bei schwachbcgabten Kindern häufigverkommende Unart, die darin besteht, daß der Schüler die anzufcrtigende schrift-liche Arbeit von seinem Nebensitzer, oder, wenn es eine Hausaufgabe ist, von irgendeinem seiner Kameraden absieht und sie für seine eigene Arbeit ausgiebr. Es ist alsoimmer ein Betrug dabei heabsichtigt und die Pflicht der Wahrhaftigkeit und Ge-wissenhaftigkeit verletzt. Dem Lehrer, der eine genaue individuelle Kenntnis seinerSchüler besitzt, und der gewohnt ist, ihre Arbeiten genau durchzusehen, wird cs leichtsein, den Betrug zu entdecken; er wird aber auch durch Pflanzung von Gewissenhaftigkeitund Ehrenhaftigkeit, durch zweckmäßige, nicht zu schwere Aufgaben, durch das Ab-schneiden der Gelegenheit zu verhüten wissen, daß dieses die Charakterbildung wieden scicntifischcu Fortschritt der Schüler gleichmäßig bedrohende Nebel nickt ciurcißcund wo es eingcrissen ist, es zu heilen verstehen. Ohne Ahndung darf er den Betrugkeinesfalls hingehen lassen. Hat derselbe in Unsleiß und Bequemlichkeit seinen Grund,so wird selbständige Ausarbeitung der Aufgabe in der Freizeit gefordert werdenmüßcn, in Wiederholungsfällen wird man bei jüngeren Schülern zu körperlicherZüchtigung zu greifen haben. Ist dagegen der Fehler durch wirklicke Unfähigkeitveranlaßt, so wird ein Verweis am Platz sein, aber der Lehrer wird sich fragenmüßcn, ob er nicht seinerseits durch Mangel an individueller Aufsicht und Lchrart, anRücksicht auf die «schwachen, an methodischem Stufengang, durch fehlerhafte Classi-fication, nachläßige Correctur, unangemessene Strenge u. s. w. einen Fehler gemachtund somit selbst einen Verweis verdient habe. Zum mindesten die gleiche Strafewird den treffen müßcn, der mit Wissen und Willen seine Arbeit einem andernSchüler zum Abschrecken geliehen hat. (S. auch den Art. Hintergehung.)

Abscnkcnliste s. Schulactcn, Schulversäumnis.

Absonderung s. Strafe.

Abspannung. Der Physiolog Burdach unterscheidet eine doppelte Art der Ab-spannung, eine im Kreislauf des Lebens selbst begründete und eine andere, die durchbesondere Anstrengung herbcigcführt ist. Die crstcre gleicht der Ebbe und Flut,dem Winter und Sommer in der Natur, und der Lehrer und Erzieher mag seineAnforderungen solchen Zuständen der Zöglinge anpassen, jedoch sich nicht zu über-triebener Rücksichtnahme verleiten lassen; der Mensch muß auch lernen, durch körper-liche Schwachheit die Kraft des Geistes nicht unterjochen zu lassen. Tic zweiteArt dagegen hat bestimmte Ursachen, z. B. große geistige und körperliche Anstrengung(auch Onanie), heftige Bewegung des Gcmüths, schwüle Witterung, unfruchtbarenpedantischen Unterricht u. dgl.

Doch wird übermäßig lange Anspannung wohl nicht in der Volksschule, eher hieund da in höheren schulen Ursache der Abspannung sein; Abstumpfung des In-teresses für die Gegenstände dcS Unterrichts, im weitern Verlauf Abnahme der geistigenLebendigkeit und Regsamkeit überhaupt, ja Schwächung der geistigen Kraft sind die^natürlichen Folgen. Betreffs der pädagogischen Maßregeln, durch welche der Ab-spannung begegnet wird, vgl. die Artikel Spiel, Abwechslung, Aufmerksamkeit.

Abthcilungen s. Classcutheilung.

Abtheilungsuntcrricht s. Halbtags schulen.

Abwechslung. Hinsichtlich der Frage, ob und wie weit Abwechslung imSchulunterricht noch thuc, kommt cS

1) vor allem darauf au, sich des Zweckes, den man hiebei im Auge hat, klarbewußt zu werden. Während Basedow den Zweck hatte, die Arbeit, Mühe und An-strengung so weit als nur möglich zu beseitigen, um die Kcnntnisse spielend beizu-bringcn, erkennt cs die evangelische Erziehung mit ihrem Ernste als eine ihrer vor-nehmsten Aufgaben, das Kind zur Arbeit, zu angestrengter Tbätigkeit zu gewöhnenund hofft davon eine heilsame Frucht für das ganze Leben. Darum verwirft sie csals etwas Unsittliches, sich der Kindesnatur nach Art der Philanthropisten zu accom-modiren und die scheu vor Anstrengung zu unterstützen. Basedow beabsichtigte inerster Linie nur die Erzielung eines äußeren temporären Effectes; er bedachte nicht,wie er mit seiner spielenden Methode nur die Flatterhaftigkeit und Unstetigkcit deSKindes nährte und durch die Vorführung der verschiedenartigsten Gegenstände, Vor-stellungen und Gedanken in rascher Aufeinanderfolge die Kindcsnatur überreizte,