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Abrichten.
Abschreiber«.
Loch über alles, waS seinen Horizont übersteigt, anmaßend absprechcndcn, gcmüihlosenVerstandesmenschen. In materialer Hinsicht verlangt unsere Zeit, daß der Unter-richr dem Kinde möglichst viele nnd vielerlei „nützliche" Kenntnisse in möglichst kurzerZeit Leibringe. Folgt die Schule diesem Impuls des Zeitgeistes, so muß sie noth-wendig zur Tressiraustalt herabsinkcn, die nur noch Zeit sür die multu, keine mehrsür das multnm hat, die nur ans daS Au lernen, nicht mehr auf daS Erlernen, nurauf glänzende Resultate hinarbcitct, ohne sich eines der geistigen Entwicklungsstufe desSchülers angemessenen UnrerrichtSganges zu befleißen. Ter ehrgeizige Lehrer, dem dasLob der Mciiscbcu und nicht daS wahre Wohl seiner Schüler die Hauptsache ist, geräthunvermeidlich auf diesen Abweg; denn die blinde Menge, die nur aufs Aeußere sieht,staunt die Ergebnisse der mechanischen Trcssur bewundernd an. Ucbrigens hat jedeselcmentarische Erziehen und Unterrichten nolhwcndig etwas Mechanisches an fick,sofern cS sich dabei darum handelt, dein Kinde gewiße Gewöhnungen, z. B. au Arbeit,Reinlichkeit, Gehorsam, gewiße Fertigkeiten, z. B. im Lesen, Schreiben, Rechnen, sowie eine gewiße Menge positiver Kenntnisse bcizubringen. Tarnm darf mau aberkeineswegs jede clementarische Erziehung und Unterweisung ein Abrichten nennen,sobald nur jene Gewöhnungen, Fertigkeiten und Kenntnisse nicht als höckstcr und einziger,von den höheren ErziehungS- und Untcrrichtszwcckcn isolirtcr Zweck, sondern bloß alsorganische Grundlage für eine harmonische persönliche Ausbildung behandelt werden.
Aus dem Bisherigen ergiebt sich auch das Verhältnis der Abrichtung zur Ge-wöhnung. Beide sind mit einander verwandt, sofern cs sich bei beiden darumhandelt, durch öftere Wiederholung gewiße Fertigkeiten anzubilden;« sie sind aber voneinander verschieden wie Mechanisches und Sittliches. Bei der Abrichtnng wird derMensch als Maschine behandelt, von der man eben nur die prompte Verrichtunggcwißer Functionen verlangt, bei der Gewöhnung wird der freie Wille zur Hcrvor-bringuug der Fertigkeiten in Anspruch genommen. Letztere kann daher in der Er-ziehung gar nicht entbehrt werden.
Abscheu s. Abneigung.
Abschreibcn, d. h. das Nachbilden von Wörtcrbildcrn, die das Auge unmittelbarvorher anschautc, ist 1. ein Mittel, welches beim Unterricht in der Orthographie alsdessen erste Stufe angewendct wird. TaS Tictirtschrciben kann erst daun Platz greifen,wenn die Kinder die Fertigkeit besitzen, mittelst dcS Gehörs und der Einbildungskraftaufgesaßte Wortbilder unmittelbar und leicht in die Schrift zu übertragen, wenn siealso schon einen ziemlichen Vorrath von Wortbildern in sich ausgenommen haben unddarin geübt sind, sic ohne Schwierigkeit schriftlich darzustcllen. Tics setzt zweierleiHebungen als Vorstufen für daS Tictirtschrciben voraus: u. die Kinder müßen ge-übt werden, Wortbilder, die ihrem Gesichtssinn vorgcführl werden, geschriebeneoder gedruckte, schriftlich nachzubildcu, also richtig abzuschreiben, d. sie müßengeübt werden, das Memorirte richtig auS dem Gedächtnis abzuschrciben.Gewöhnlich wird freilich nur die unter a. beschriebene Ucbung Abschreiben genannt.Tie Hebungen bestehen anfangs im Abschreibcn von Wörtern, Sähen n. s. w. inCurrcntschrist, dann folgt das Abschreibcn bestimmter, gedruckter Pensen, z. B- vonSprüchen und Liedervcrseu, die die Kinder auswendig zu lernen haben, also die Ver-wandlung der Truckschrift in Schreibschrift. Tiefe Abschrcibübungcn sind sicher alsein treffliches Förderuugömittel der Rechtschreibung zu betrachten, wenn sie gut ge-leitet sind und Gedankenlosigkeit dabei möglichst verhütet wird. Tie deutsche Recht-schreibung läßt sich nun einmal weder durchs Gehör, noch nach Regeln allein lernen;in unzähligen Fällen entscheidet eben der Sckwcibgebrauch; dieser aber läßt sich ambesten durchs Anschauen lernen und zum sorgfältigen Anschaucn sind die Kinder ge-nöthigt, wenn sie abschreiben müßen; Taubstumme lernen das Rcchtschrciben bloßdurchs Auge, durchs Abschreibcn, und bekanntlich lernen sie das Rcchtschrciben vielbesser, als hörende Kinder. „Einmal geschrieben ist zehnmal gelesen." Ter Ge-dankenlosigkeit aber wird cntgcgcngearbeitct, wenn man dafür sorgt, daß die Schülereine Anschauung und ein Verständnis von dem haben, was sie abschreibcn, wenn dieHebungen in stnfenmäßigem Fortschritt vom Leichtern zum Schwereren sich bewegenund also immer neue Schwierigkeiten hinzutreten, und wenn endlich der Lehrer dasAbgcschriebcne genau controlirt und jeden Fehler rügt. 2. TaS Abschreiben ist eine