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1 (1877) A - Liebe
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Abneigung.

Toben instiuctartig erschrickt; in solchem Falle ist leibliche Stärkung vonnöthen undein allmähliches Zurückführen zum Spiel der Genossen ein Act der Heilung selber.Oder es kann ein übertriebener Egoismus, Stolz und Eitelkeit, welche eine Rollespielen möchten und daran verhindert werden, das Kind abgeneigt gegen geselligeFreuden machen; in solchem Falle muß die Erziehung mit allen ihr zu Gebotestehenden Mitteln den Egoismus bekämpfen. Endlich aber kann das Meiden derKinderspiele auch einen edleren Grund haben, der sich oft bei stillen, ernsten, innigenGemüthern findet, die nur in der Einsamkeit volle Genüge des Daseins erlangen,denen ihr Leben lang Toben und geräuschvolle Vergnügungen unlieb hleiben und diesich in Gesellschaft nie so geben können, wie sie wohl selber möchten. Bei solchenNaturen denke man auf Spiele, welche stillen Kindern am meisten Zusagen, und führesie sanft und allmählich in den Kreis solcher Kinder, welche ihrem Naturell nicht zuferne stehen.

Bei phantasiereichen, zur Reflexion und zum Studium geneigten Charakterenzeigt sich oft eine Abneigung vor aller Handarbeit und Hülfeleistnng in der Wirth-fchaft des elterlichen Hauses. Ans Rücksicht ans die nützliche Beschäftigung mit denBüchern wird solchen oft manche Arbeit erlassen mit Unrecht, denn es würdegerade dem künftigen Gelehrten zu Statten kommen, wenn er früh gelernt hätte, mitder concrcten Wirklichkeit sich zu befassen, und den Phautasiemenscken zumal ist esvon größtem Nutzen, daß sie ihre Aufmerksamkeit auf praktische Dinge fixiren lernen.Charaktere dieser Art werden zwar nie in geschickter Handarbeit sich auszeichnen, aberman gebe ihnen immerhin den Spaten in die Hand und lasse sie auch in der nichtzusagenden Richtung ihre Kräfte versuchen.

Arbeiten, in welchen der Mensch seine Kraft zeigen und entfalten kann, werdengern gethan und Abneigung pflegt sich nur da cinzustellen, wo das Gefühl der inAnspruch zu nehmenden Kraft nickt crmuthigend ist. Wenn den Schülern Aufsätzezugemuthet werden, für welche ihnen die Gedanken fehlen, oder wenn in derErklärung deutscher Klassiker" über das, was keiner Erklärung bedarf, ein Wort-schwall ausgegossen wird, oder wenn der Religionsunterricht sich in breite dogmatischeErörterungen verliert, dann darf der Lehrer sich nicht wundern, wenn seine Schülerdie entschiedenste Abneigung vor solchen Pensen offenbaren. Würden die Lehrer dieMienen ihrer Schüler schärfer beobachten, könnten sie daran ein vortreffliches Baro-meter und Tbcrmometer der Ab- und Zuneigung haben.

In der Regel zeigen die Kinder Lust zum Beruf ihrer Eltern; ist jedoch eineentschiedene Abneigung dagegen vorhanden, so ist zunächst zu prüfen, ob nicht etwaeine zufällige Laune, bloßer Ehrgeiz oder eine Unklarheit in der Vorstellung des ge-wählten Berufes obwaltet; zeigt sich aber die Abneigung in den Anlagen und Kräftendes jungen Menschen wohlbegründet, dann respectire man sie auch und wolle sie nicktmit Gewalt in die entgegengesetzte Neigung verwandeln. Die Individualität soll demErzieher heilig sein.

Abneigung der Schüler gegen die Person des Lehrers entsteht, wenn letztereraus übertriebenem Eifer, seine Auctorität geltend zu machen, den Zögling bei jederGelegenheit sein Uebergewicht fühlen läßt, stets herrisch und barsch gebietet und ver-bietet, bei dem kleinsten Versehen in Zorn geräth und immer besorgt ist, zu viel nach-zugeben. Das Herz verschließt sich vor solchen Auctoritätsmänuern, und entschiedeneAbneigung seitens ihrer Zöglinge ist ihr Lohn. Darum sei der Lehrer auf der Hut!Das Kind hat ein Bedürfnis man möchte es ein religiöses nennen zu achtenund zu lieben, in seinen Lehrern und Erziehern die sichtbaren Träger der göttlichenWeisheit, Güte und Liebe zu verehren; es fühlt aber auch instinctartig, wenn dieStellvertreter der Gottheit keine Liebe haben und nur das Ihre suchen oder es ander Grundbedingung sittlicher Güte, der Gerechtigkeit, fehlen lassen.

Die Abneigung ist Antipathie, wenn sie lebhaft ins Gefühl tritt, so daß sieeine GcmüthSbewegung hervorruft; gesteigert wird sie zum Ab scheu. Der sittlicheAbscheu ist nur die andere Seite rer sittlichen Begeisterung für das Gute, Wahre,Edle, und als solcher vollkommen berechtigt. Tritt er energisch bei gewißen Ge-legenheiten im Zögling hervor, so wird sich der taktvolle Erzieher dessen freuen, erwird diese heilige Glut lebendig erhalten, aber auch dem Zögling zum Bewußtsein