Abhörc».
Abneigung.
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angemessensten angreifcn können, das, was ste zn lernen haben, sich wohl ciuzu-prägen; er sollte die Aufgaben während der Woche in der Schule mehrmals lesen,die schwächeren Schüler zugleich zur Uebung in der Srthographic mehrmals ab-schreiben, das Lied öfters singen lassen. Auch sollten bei schwachen Schülern die Auf-gaben in möglichst kleine Thcile je für einen Tag gctheilt und solche Tagsaufgabcntäglich abgehört werden. Diese und ähnliche Hülfeleistnngcn werden es sicher ermög-lichen, daß oon den Memoriranfgaben nicht eine peinliche Erinnerung, sondern einbleibender Segen über das ganze Leben der Schüler sich erstreckt.
Nblerilcn heißt thun lernen, wie ein anderer thut, durch bloßes Beobachten,ohne Vermittlung des unterrichtenden Wortes. TaS Ablerncn beruht aus dem Nach-ahmungstrieb, und spielt im Leben eine wichtige Rolle. Wie viel erwirbt auf diesemWege ein Kind schon bis zum schulpflichtigen Alter bei Gegenständen des innerenwie der äußeren Sinne! So manche Erfindungen hat der Mensch in ihrer ursprüng-lichen, unvollkommnern Gestalt der ihn umgebenden Natur abgclernt. Aber auch dasAblernen will gelernt und geübt sein. ES gehören dazu geschärfte Sinne, Disciplindes Geistes, Tirection des Willens. Schon früh soll daher dem Kinde von denEltern und Erziehern geflissentlich Gelegenheit zum Ablernen gegeben, Geschick undNeigung dazu vermittelt werden. „Thun kann nur durch Thun gelehrt werden,"sagt Comenius. Man denke an weibliche Arbeiten, an die Handgriffe und Geschick-lichkeiten, an sogenannte Vortheile der Handwerker, an die Erlernung gewöhnlicherFeldarbeiten, an das Turnen. Im Schreiben, Zeichnen und Malen, im Clavicr- undGeigenspicl u. s. w. ist Belehrung einseitig und nicht ausreichend, wenn nicht demmustergültigen Vorthun das Nachlhnn folgen kann. Ja nicht nur für Fertigkeiten imengeren Sinne, sondern auch für das, was in andern Untcrrichtsgegenständcn Sacheder Uebung ist, soll der Lehrer den Schülern ein rechter Meister sein, denn von einemsolchen allein kann man wirklich ablerncn. Nachahmung äußerer Sitte und äußerenAnstandes, der Bewegungen und der ganzen Art eines Redners, selbst der Betonungbeim Lesen und Sprechen ist thcilweis ein Ablernen. Eine besonders wichtige Stellunghat dasselbe in der Bildung des Taubstummen. Dieser lernt sprechen durch Absehenund Abfühlen.
Abneigung. Antipathie. Abscheu. Das Gesetz der Anziehung und Ab-stoßung geht durch die ganze organische und unorganische Welt, und jene Wirksamkeitdes Jnstmctes, der das Thier lehrt, alles seinem Leben und Wohlsein Widerstrebendezu meiden, erstreckt sich noch tief ins Menschenleben hinein.
Ter Mensck, als vernunftbegabtes Wesen, hat aber eine viel höhere Bestimmung,als bloß durch Naturtriebe sich bestimmen zu lassen: er soll mit Bewußtsein handelnund auch seine Gefühle und Triebe sollen sich der Lichtregion des freien, selbstbewußtenGeistes nicht entziehen, wie sie selbstverständlich dem allgemeinen Sittengesetz zu unter-stellen sind.
Für den Erzieher folgt daraus, daß er keine Abneigung, sei sie welcher Art siewolle, ohne besonnene Prüfung gelten zu lassen, sie vielmehr in Zucht zu nehmenhabe, auf daß sic durch einen Act sittlicher Freiheit geadelt werde, um sich als be-rechtigt zu erweisen. Will das Kind diese oder jene Speise nicht essen, so prüfe ervor allem, was bei dieser Abneigung auf Rechnung der Laune oder der Schwächlich-keit zu setzen sei, wobei zuweilen der Beirath des Arztes nicht entbehrt werden kann.Regelwidrige Abneigungen gegen Sbjecte des Geschmacks oder Geruchs (Jdiosynkrcisiccn)können zuweilen unbezwinglich werden. Aber das Kind soll für die verschmähte Speisekeinen Ersah bekommen durch ein anderes Gcrickit, vielmehr sich gerne und willigdas Dpfer der Entbebrung auferlegcn, bis es des Geschmackes Meister zu werdengelernt hat. Desgleichen soll auch nicht auS Weichlichkeit die bittere oder widerlichschmeckende Medicin so in Süßigkeiten cingchüllt werden, als müßte das Heilmittelein Leckerbissen sein, vielmehr soll der Kranke seine moralische Kraft anwendcn lernen,um wieder gesund zu werden. Ist das Kind durch seine bisherige Erziehung anGehorsam gewöhnt, so wird eS seine natürliche Abneigung überwinden und die Arzneinehmen, ob sie auch noch so bitter ist.
Ter Jugend ist wie die Spciselust, so auch die Sehlust und Spiellust natürlich.Es kann aber ein Kind kränklich oder so nervös sein, daß es vor allem Lärmen und