Druckschrift 
9/10 (1845)
Entstehung
Seite
166
Einzelbild herunterladen
 

16S

König, nicht mehr für lange Zeit, ich weiß cs wohl, aberes bedarf nicht langer Zeit, um die Mörder und Giftmi-scher zu bestrafe»/'

,,Wohi, so gebt diesen Befehl, wenn Ihr es wagt.Ich, ich werde die meinigen geben. Kommt, Franz,kommt!'

Und sie ging, den Herzog von Alcn^on mit sichziehend, rasch binaus.

,,Nancer>!" rief Karl. „Nancch, herbei, herbei!Ich befehle es, ich will es, verhaftet meine Mutter,verhaftet meine» Bruder, verhaftet../'

Ein Blutstrom schnitt Karl das Wort in dem Au-genblick ab, wo der Kapitän der Garden dir Thüre öffneteund der König röchelte halb erstickt auf hinein Bette.

Nancep hatte nur seinen Namen gehört. Die Be-fehle, welche darauf gefolgt waren, hatten sich, minderdeutlich ausgesprochen, in der Luft verloren.

,,Bewacht die Thüre,'' sagte Heinrich, „und laßtNiemand eintrcten.''

Nancep verbeugte sich und ging ab.

Heinrich richtete seine Augen wieder auf den leb-losen Körper, den man für eine Leiche hätte haltenkönnen, würbe nicht ein leichter Hauch die Schaumsrausebewegt haben, welche seine Lippen umgab.

Er betrachtete den König lange und sagte dann,mit sich selbst sprechend:

,,Daü ist der entscheidende Augenblick,.. . soll ichregieren? soll ich leben?''

In derselben Sekunde hob sich der Vorhang des Al-koven, ein bleiches Haupt erschien dahinter und eineStimme ertönte mitten unter dem Schweigen des Todes,das in dem königlichen Zimmer herrschte.

,,Lebt," sagte diese Stimme.

„Rene!" rief Heinrich.

„Ja, -Lire."

„Deine Weissagung ist also falsch: ich werde nichtKönig seyn?" ries Heinrich.