Druckschrift 
9/10 (1845)
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

182

Ihr Gatte, der zwei Jahre lang seinegegen Heinrich zu verbergen wußte, hatte diese Gelegenheit ergriffen, um sich an ihr zu rächen.

Charlotte! Charlotte!" rief Heimich, die Mengetheilend und vor dem Bette auf die Kniee stürzend.

Charlotte öffnete ihre schönen, bereits vom Todeverschleierten Augen, stieß einen Schrei ans, der dasBlut aus ihren zwei Wunden springen machte, strengtesich an. um sich zu erheben, und sprach:

Oh! ich wußte wohl, daß ich nicht sterben konnte,ohne ihn noch einmal zu sehen."

Und als hätte sie nur diesen Augenblick abgewar-tet, um Heinrich die Seele zurückzugeben, die ihn soheiß geliebt, drückte sie nun ihre Lippen auf die Stirnedes Königs von Navarra, sisisterte ein letztes Mal:Ichliebe Dich," und fiel todt zurück.

Heinrich konnte nicht länger weile», ohne sich in dasVerderben zu stürzen. Er zog seinen Dolch, schnitt eineLocke von diesen schönen blonden Haaren, die er so oftgelöst hatte, um ihre Länge zu bewundern, und entferntesich schluchzend, mitten unter dem Schluchzen der An-wesenden, welche keine Ahnung hatten, daß er'über soerhabenes Unglück weinte.

Freund, Liebe," rief er ganz außer sich vor Schmerzund Schrecken,Alles verläßt mich, Alles entgeht mirzu gleicher Zeit."

Ja, Sire," sagte ganz leise ein Mensch zu ihm,welcher sich von der Gruppe der vor dem Hause zusam-mengeschaarten Neugierigen getrennt hatte und ihm ge-folgt war,aber Ihr habt immer noch den Thron."

Rene!" rief Heinrich.

Ja,.Sire, Nene,' der über Tuch wacht; dieserElende hat Euch verscheidend genannt; man weiß, daßIhr in Paris seyd, die Bogenschützen suchen Euch, sticht,sticht!"

Und Du sagst, ich werde König sehn, Rene, ...ich, ein Flüchtling?"