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doch mindestens alle hervorragenden Erzeugnisse der betreffenden Literaturzur Benutzung angcschafft würden,*) und zwar um so mehr, als es demEinzelnen schwer fällt, auch nur die nothwendigsten Hülfsmittcl sich zuverschaffen und des Nothwcndigcn nicht eben wenig ist. Es darf nämlichein starker, obgleich ziemlich .verbreiteter Jrrthum genannt werden, wenninan glaubt, mit Hülfe eines Elcmcntar-Handbuchs und einiger Sammel-werke wäre cs möglich, sich zum Kunstkenner auszubilden. Die Kunst isteine Welt für sich, in der das Hcimath- und Bürgerrecht so leichten Kau-fes sich nicht ersteht, zumal bei der zur Zeit herrschenden Gcistcsrichtung.Das Mittelalter athmctc in einer ganz anderen Atmosphäre; alle seine An-schauungen gestalteten sich fast unwillkürlich künstlerisch; ein frischer, kräf-tiger Bildungstrieb machte sich allcrwärts geltend und ein festes Principhielt denselben hinwiederum stets in geregelten Bahnen. Die Hoffnungund der Glaube gaben seinen Bestrebungen die Richtung nach oben, wäh-rend die Liebe ihnen freudige Lebcnswärme cinflößte, wie tiefe Schattenauch sonst darauf ruhen mochten. Das ist, aus Gründen, auf welche ichhier nicht wiederholt cingehcn will, im Laufe der letzten Jahrhunderte an-ders geworden, ja sogar nach der entgegengesetzten Seite umgcschlagcn.Zwar zeigen sich vielfach Anzeigen der Einkehr der Gegenwart in sich selbstund der Umkehr zum Besseren, die Luft reinigt sich mehr und mehr; abercs wird noch viel Zeit und manchen harten Kampf kosten, bevor die Fakto-ren, welche die wahrhaft klassischen, schöpferischen Kunstpcriodcn bedingen,wieder zur Genüge erstarkt sind; cs sind dieselben thcilwcise Tugenden,die nur durch Uebung, und zwar durch lange fortgesetzte Ucbung, erworbenwerden können. Auch der Glaube gehört unter diese Tugenden; ihmzunächst verdankte das Mittelalter seine Kunst, wie seine Wissenschaft undPoesie. In dem Maaße, in welchem unsre Zeit gläubiger wird, der Zwci-fclsucht absagt und der falschen Philosophie, in demselben Maaße wird auchdas kunstbildendc Vermögen sich wieder einstellen und vor Allein das,
*> In meiner schon erwähnten Schrift: „Die christlich-germanische Baukunst und ihrBerhältniß zur Gegenwart" 2. Aust. S. 98 u. fgg. habe ich Liesen Punkt ausführlicherbesprochen, und sei es gestattet, darauf hinzuweisen, so wie ferner auf das sehr brauchbare„Handbuch der kirchlichen Kunst-Archäologie des deutschen Mittelalters" von H. Otte,worin namentlich die Literatur sorgfältig verzeichnet ist. Das weitverbreitete „GvtbischcA B C" von Hoffstadt ist wohl geeignet, einen Einblick in das Knochengerüste, denSchematismus des gothischen Styles zu gewähren-; allein es leidet auch zugleich an cinergcwiffcn Dürre und hat namentlich vielfach die nachthciligc Wirkung gehabt, daß uner-fahrene Dilettanten sich dadurch verleiten ließen, Gothik auf eigene Hand zu treiben, wodenn natürlich nur Misgcburtcn heranskommen können. Auffallender Weise läßt die letzteLieferung dieses Werkes schon seit einer Reihe von Jahren auf sich warten.