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Fingerzeige auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst
Entstehung
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punkte ausgcht und gleichmäßig nach allen Seiten hinwirkt. Als das An-gemessenste erscheint hiernach, mit der Beseitigung offenbarer Auswüchsezu beginnen, das Plumpe, Steife und Barocke allmählig auf das rechteMaß zurückzuführen oder durch entschieden Besseres zu ersetzen, namentlichaber bei allen neuen Anschaffungen auf Solidität und Aechtheit zu sehenund nie aus den. Augen zu verlieren, wie erhaben die Bestimmung ist,welcher dieselben dienen sollen. Auf diesem Wege stellt das rechte Maßsich von selbst ein. Die Mitren, Caseln und Chorkappcn werden inSchnitt und Ausstattung sich mehr und mehr den besseren alten Musternannähcrn; insbesondere werden die letzteren ihr steifes Ansehen verlierenund einen Faltenwurf gestatten, welcher den Bewegungen des Priesterswenigstens nicht widerstrebt. Ein Hauptschmuck der Chorkappcn bestandin den auf der Brust sie zusammenhaltendcn Agraffen, welche das Mittel-alter so überaus kunstreich zu bilden verstand. Mögen unsere Goldschmiedesich auch daran wieder versuchen!

Den Charakter eines Kunstwerkes werden auch die Paramente aller-erst durch Handarbeit erhalten. In früheren Zeiten führte die opferwilligeLiebe meist die Hand; eine große Anzahl von Prachtgewanden ging ausKlöstern hervor, was denn auch wesentlich zur Bildung und Erhaltungeines festen Styles mitwirkte. Das Wiederattfblühcn dieser Institute sowie des kirchlichen Sinnes überhaupt berechtigt zu der Hoffnung, daß auchnach der in Rede stehenden Seite hin cs sich wieder zum Besseren undRechten wenden werde, eine Hoffnung, welche schon sich zu verwirklichenbeginnt, wie denn z. B. in dein Kloster zum armen Kinde Jesu in Aachenbereits ein schöner Anfang gemacht ist. Handelt cs sich doch auch hier-um ein Wirken zur Ehre Gottes, zur Verherrlichung seines Namens.Auch das kirchlichen Zwecken dienende Weißzeug muß durch seine äußereErscheinung diese seine Bestimmung wieder bekunden, und nicht, wie sohäufig, an die Damengarderobe erinnern.*)

Eine besondere Sorgfalt wird der Aufbewahrung alter kunstreicher Ge-

*) Um den oben gedachten, zwar unscheinbaren, aber darum keineswegs unwichtigenZweig der kirchliche» Kunst, sammelt sich der unbekannte Herausgeber einer in Münsterbei Cazin erscheinenden Schrift viel Verdienst, und wäre nur zu wünschen, daß überallbei den Abbildungen die alten Muster näher bezeichnet würden, 'denen dieselbe» entlehnt,worden, so weit solches der Fall ist. Der Titel dieser Schrift lautet: Musterblättcr nebstAnleitung zur Anfertigung des für den katholischen Gottesdienst vvrgeschriebenen und ge-bräuchlichen Weißzeuges, als: Altartücher, Communiontücher, Corporale, Kelchtüchelchen,Alben u. s. w., insbesondere auch der Spitzenvcrzicrungen aus Filet- und Häkel-Arbcitenin echt-kirchlichem Style. Das Werk ist namentlich den Frauen zu empfehlen, und zuhoffen, daß die Fortsetzung nicht allzulange auf sich warten läßt.