57
Stoffes, Einheitlichkeit des Bildungsgcsetzes — Alles trifft zusammen, umdiese Erzeugnisse uns als wahre Mustcrtypcn erscheinen zu lassen. Aber >wie wenig Kirchen haben ihr ursprüngliches Mobiliar noch aufzuwcisen, wiehaben nicht auf diesem Gebiete, so weit die Raubsucht cs verschont ließ,die Modcsucht und der Ungcschmack gcwüthct! Am ersten findet man nochin lutherisch gewordenen Kirchen — Dank der Gleichgültigkeit und der Indo-lenz! — solches alte Mobiliar erhalten, während die Kalvinisten in der RegelAlles, selbst die Kreuze nicht ausgenommen, mit Stumpf uud Stiel ausgc-rottct, die Katholiken aber, irre geleitet durch einen falschen Verschönerungs-tricb, dasselbe gegen hohlen Schwulst vertauscht haben.
Das erste und vorzüglichste Gcrathe einer Kirche ist unstreitig der Al-tar, auf welchem die heiligen Mysterien gefeiert werden. , Schon seit dem8. Jahrhundert besteht die ausdrückliche Vorschrift, daß dieselben von Steinund zwar aus Einem Stücke sein sollen, eine Vorschrift, welcher gegenüberdie hier und da zugelasscncn Abweichungen nur als Ausnahmen in Be-tracht kommen können. Den Tisch des HauptaltarcS wenigstens sollteman von anderem Materiale nicht anfertigcn.
Die doppelte Bedeutung des Grabmals und der Opferstätte, welchevon Anfang an sich mit dem Altäre verband, gab sich auch in seiner Ge-staltung ^u erkennen, so jedoch, daß bald das eine, bald das andere Mo-ment übcrwog. Die ältesten bekannten Altäre sind entweder tischförmig,wo denn die Platte auf 4, 5 oder 6 Säulchcn und meist überdies auchnoch auf einem, in der Mitte angebrachten Fuße ruhcte, oder sic sindmassiv, mit einer Aushöhlung im Inneren zur Aufnahme von Reliquien;die letztere Gattung ward bald vorherrschend. Auf dem Altäre stand dasCiborium lS. das Glossar) oder auch wohl nur ein Crucifir, in dessenFuß alsdann die consecrirte Hostie aufbcwahrt wurde. Uebrigcns Pflegteman auch früher schon das Allerhciligste sowohl als die kostbaren Kirchcn-gcfäßc zur Seite des Altarcs zu bewahren, aus welcher Sitte im Mittel-alter das Sacramentshäuschcn erwuchs. In dieser Periode entstanden dennauch die Altaraufsätze auf der östlichen Seite des AltareS von Stein undvom Holz — letztere meist architektonisch gegliederte und geschmückte Flügcl-bildcr auf einem gallericartigcn Fuße (Predella) — bis endlich der Pcrückcn-styl aller Regel ein Ende inachte. Es bedarf wohl nach diesem kurzenhistorischen Ucberblicke nicht erst einer Anweisung, wo wir unsere Vorbilderzu suchen haben. Jndcß muß man doch auch hier vor einem zu weit ge-triebenen Archaismus auf der Hut sein. Die herrschende Sitte trägt, wiealler Besitz, immer eine gewisse Berechtigung in sich; wenigstens sollte mannicht plötzlich mit ihr brechen, nichts überstürzen. ES greift dies z. B. hin-sichtlich dcS Gebrauches Platz, die Monstranz in einem Tabernakel auf dem