41
Die Unterhaltung und Herstellung der Kirchen feilster ist ein Punktvon besonderer Wichtigkeit. Haben dieselben Kunstwcrth, so sind sie, we-nigstens die unteren, nach außen durch ein Drathgittcr zu schützen, welchesjedoch nicht an die Gewandungen oder Fcnsterpfostcn, sondern an die Fcn-sterciscn befestigt werden sollte. Sind gemalte Fenster neu zu verbleien, sogebe man dem Blei die alte, nach beiden Seiten etwas abgerundete Formund Stärke. Um die dem Glase so gefährliche Orydation der eisernenQucrstangcn zu verhüten, sind dieselben auf ihren Oberflächen zu ölen.Fehlen einzelne farbige Scheiben, welche nicht gleich ersetzt werden können,so flicke man die Stelle mit gewöhnlichem Fensterglase aus, damit der Man-gel sich sofort als solcher zu erkennen gicbt; eine ungefähre, blos aufTäuschung abziclcndc Wiederherstellung, (etwa durch Ucbcrschmicrcn mitOelfarbc!) sollte nie stattfindcn. Das Reinigen der Farbcnfcnstcr geschiehtam Zweckmäßigsten in der Art, daß man dieselben in reinem Wasser miteinem Schwamm abwäscht; weder Leinwand, noch Bürsten, am allerwenig-sten Werkzeuge von Metall sind dabei zu gebrauchen. Das leider so viel-fach, und selbst am Kölner Dome, zur Anwendung gekommene Abkratzender Fenster ist der sicherste Weg zu ihrem Ruin. Das fatale Ncumachcn-wollcn ist die Wurzel dieser Mißgriffe, wie so vieler anderer; ein altesFenster hat ganz und gar keine Veranlassung, sein Alter zu verläugncn.Muß ein solches Fenster herab- und auseinander genommen werden, so istzuvor ein genaues Facsimilc desselben, eine Art Abklatsch, anzufertigcn,woraus die Verbleiung, die Farben, die Risse, kurz Alles, bis auf diekleinsten Zufälligkeiten herab, zu ersehen ist. Eine bloße Skizze, etwa nochin Verbindung mit einem schriftlichen Vermerke, genügt in keiner Weise.Wenn cs nur immer thunlich ist und die Arbeit etwas ins Große geht,soll man das Wcgtransportiren solcher alter Gläser vermeiden und die Her-stellung am Orte selbst vornehmen lassen., Erstcrcs führt vielfache Gefah-ren mit sich und erschwert überdies die Controle. Wie manches Kunstwerksolcher und anderer Art, welches zum Zwecke der Herstellung auswandcrte,ist nicht schon unterwegs geblieben! Es ist auch keineswegs mit so garvielen Umständen verbunden, den zum Glasbrenncn erforderlichen Apparatherzurichtcn.
Manches von dem vorstehend Gesagten mag auf den ersten Blick klein-lich erscheinen; allein die Erfahrung hat nur zu sehr gezeigt, wohin esführt, wenn man in solchen Dingen das Kleine unbeachtet läßt. Dieschlechten Restaurationen sind wo möglich noch mehr an der Tagesordnung,als die schlechten Neubauten. Fast überall steht der gute Wille in schreien-dem Mißvcrhältniß zum Wissen und Können. Eine Restauration erfordertmeist in der Person Desjenigen, welcher sic leiten soll, außer Takt, Umsicht