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sehr fleißig zu den alten Meistern in die Schule gehen, ihre Zirkelschlägeund ihre Handgriffe uns wieder ancignen, vor Allein aber den Geist, wel-cher sie belebte und hob und der ihre Werke adelte, den Geist der Kirch-lichkeit und der Religiosität. Nachdem selbst Goethe den Ausspruchgethan, daß „die Menschen in Poesie und Kunst nur so lange productivbleiben, als sie religiös sind", wird man hoffentlich über die letzte der obigenBedingungen akademischer Seits nicht allzu mitleidig die Achsel zucken. Wiedie Sachen zur Zeit noch stehen, erscheint cs, wenn man auch das histo-rische und archäologische Moment und die Rücksichten der Pietät gar nichtin Anschlag bringen wollte, als eine heilige Pflicht für uns, den Capitalstock,welchen die Alten uns hinterlasscn und mit dem bereits so unverantwort-lich gewirthschastct worden ist, nach bestell Kräften zu erhalten und vor je-der Bccimrächtigung zu wahren. Ist überhaupt eine ästhetische Wicdcrbc-fruchtung unserer Zeit noch möglich, so wird sie jedenfalls von den al-ten Kunstwerken aus, gleichsam durch den Saamcnstaub, welchen die-selben den Lüsten übergeben, erfolgen, nie und nimmer durch die Schrift-gclahrthcit, oder gar wie cs das „deutsche Kunstblatt" in Aussicht stellt,durch „die erlösende Kraft des historisch-kritischen Bewußtseins".
Demgemäß gilt auch hier als oberste Regel, so wenig wie mög-lich und so unwahr«ehmbar wie möglich zu rcstaurircn. Dieböswilligen Zerstörungen haben auf dem Kunstgcbictc kaum größerenSchaden angcrichtct, als die gutgemeinten Restaurationen, letztere abersind weit bedrohlicher, weil man weniger vor ihnen auf der Hut ist.Ward doch vielfach die „Restauration" gothischcr Bauten, zufolge Anord-nung des betreffenden Stadtbaumeisters, in der Art betrieben, daß mandieselben periodisch durchmusterte, und dann alles Vorspringcndc, wieGesimse, Bosen, Fialen, Zicrsäulchen u. s. w. was nicht mehr ganz fest war,herunter schlug, womit denn zugleich den Anforderungen der Polizeiund denen des guten Geschmackes ein Genüge geschah, indem der Bau, zu-folge öfterer Anwendung dieser Heilmethode, allmählig die beliebte acadc-mische Einfachheit und Glätte erhielt, welche dem Schönheitssinne der „Ge-bildeten" allein Befriedigung zu gewähren vermögen. Handelte es sichnicht um praktische Bedürfnisse, jo würde ich unbedenklich rathen, die altenMonumente lieber geradezu ihrem Schicksale zu überlassen, als eine jenerEuren damit vorzunchmen, welche sic mit ihrer geschichtlichen Würde, ihrerganzen Eigenthümlichkeit zu bezahlen haben, die nicht selten zum Unter-gänge in ihrer Art einziger Muster und zu förmlichen Verfälschungen derKunstgeschichte hinführen. Vom rein ästhetischen Gesichtspunkte aus be-trachtet, nimmt ein Bauwerk als. hinsinkcnde Ruine, die ihren Charakter inkeiner Art verläugnet, das Interesse unvergleichlich mehr in Anspruch, als
2. Nufl. z