IV
rend die Doctrin sich ungebührlich breit macht und das Wissen immer mehranschwillt, sind die Hände lahm geworden, oder können doch, Me gesagt,nur noch die Feder führen. Wir classificircn, kritisircu und philvsophircnaufs Beste; Alles citirt der Gedanke vor seinen souveränen Richterstuhl,Altes wie NcueS; wir sehen aber nicht einmal die Kraft, jenes zu erhalten,geschweige denn, etwas zu schaffen, was würdig wäre, an seine Stelle zutreten. Von dieser nothwcndig ins Leere führenden Bahn abzulcnkcu undwieder auf die Wege hinzuwciscn, welche unsere Altvordern:, deren Schöpfer-kraft wir in ihren zahllosen Werken bewundern, gegangen sind — das alsoist der Zweck der nachfolgenden „Fingerzeige".
Die erste Ausgabe hat, soweit sich Stimmen darüber vernehmen ließen,eine recht wohlwollende Aufnahme gefunden; wie cs scheint, wird die Noth-wcndigkcit der Umkehr schon in weiten Kreisen erkannt, wenigstens kannich mir nur so gewisse Sympathien erklären, welchen mein dahin abzielendcsBestreben selbst dort begegnet, wo nun: den letzten Zielpunkt in ganz an-derer, ja sogar in entgegengesetzter Richtung zu nehmen Pflegt. Besondersbezeichnend in dieser Beziehung erschien mir eine Rccension in den „Grcnz-botcn" (1854. Nr. 43), mit deren Verfasser, wenngleich er ein principicllerGegner ist, sich doch rechten läßt. Da nichts sich mehr dazu eignet, Lichtauf die verschiedenen Standpunkte zu werfen, vielleicht auch, eine Verstän-digung wenigstens anzubahnen, als das Hcrvorhebcn der Gegensätze, sobenutze ich die mir durch gedachte Besprechung gebotene Gelegenheit indiesem Sinne.
Nachdem der Rcccnscnt in vielfacher Beziehung meinen Aufstellungenund Rathschlägcn seine Zustimmung hat zu Thcil werden lassen, schließt erwie folgt: „Hätte Hr. R. wie Schlcicrmachcr seine Vorschläge nicht an die* Kirche, sondern an die Gebildeten unter den Verächtern der kirchlichen Bau-kunst gerichtet, er würde ein dankbareres und bereitwilligeres Publicum ge-funden haben; denn wenn wir mit der gothischen Baukunst auch die In-quisition und den Jesuitiömus mit in den Kauf nehmen sollen, so bleibenwir lieber bei der Acadcmie, -allenfalls auch beim Zopf, und sagen mitHerrn Thiers, wenn cs die Wahl zwischen dem Lächerlichen und Schreck-lichen gilt: en Iion citoxen jo prölero Io rnliculo!" — Meinerseits ist ge-wiß nichts dagegen zu erinnern, daß auch die „Gebildeten unter den Ver-ächtern der christlichen Kunst" Notiz von den in Frage stehenden Ausfüh-rungen nehmen und ich vermag.nicht cinzusehcn, was sie daran hindert,wenn dieselben auch nicht gerade an ihre Adresse gerichtet sind. Ich gestehe.