Druckschrift 
5 (1840)
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

28

zn erholen schien, sich setzte, nnd Constanze bat, einGleiches zn thnn. Nach einer Pause ergriff er seinerGattin Hand, und sagte: „Höre mich an, Constanze.Meine Gesundheit ist im Abnehmen, furcht' ich. Michmartern schreckliche Visionen; irgend ein magischer Ein-fluß bedrückt mich. Schon seit mehreren Nächten über-fällt mich, bevor ich cinschlafe, ein kalter Schauder, meinHaar sträubt sich, meine Zahne klappern, ein undeutlichesEntsetzen ergreift mich, mein Blut scheint zu fester Sub-stanz zn werden, so gerinnend und stockend bedünkt esmich zn seyn. Ich will dann reden, schreien, aber dieZunge ist mir schwer; ich fühle, daß ich keine Gewaltmehr über mich habe. Plötzlich und inmitten solcher Angstfalle ich in tiefen Schlaf; dann kommen mir wilde nndseltsame Träume, in denen jederzeit Volkman's Tochtervorherrschend ist; allein sie zeigt ein verwandeltes, ruhi-ges, nnaussprechlich ruhiges Antlitz und blickt mich mitAugen an, die mir in die Seele brennen. Der Traumschwindet, und gegen Morgen erwach' ich erschöpft undmatt. Ich habe Aerzte zn Nathe gezogen, Ptisanen ein-genommen, aber ich kann weder der Angst noch derTräume ledig werden. Und eben jetzt Constanze, ebenjetzt — Du siehst das Fenster nach dem Park z» offen,die Gartenthür unverschlossen — ich blicke hin, nnd schau!km blassen Mondlichte sehe ich das Angesicht meines Traum-bildes— das Antlitz Lucillens; doch o! wie verändert!Barmherziger Himmel! ist cs Wahn oder kann Lucilla le-bend in England weilen? nnd sind diese Visionen, diese