Druckschrift 
5 (1840)
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

jedoch schwindende Schönheit znrückstrahlte — die einge-fallene Wange, das matte Auge, jene Linie» und Höh-lungen, die von dem Fortschritten der Jahre zeugen,winkten ihr ans dem Glase entgegen. Es gibt Lcbcns-momcnte, in welchen die Zeit uns plötzlich den Vorschritt,den sie machte, und den wir nicht beachteten, gewahr wer-den läßt; in welchen die Linien und Runzeln, die zuvornicht erblickt wurden, wie in einer einzige» Stunde ent-standen zu seyn scheinen. Der gegenwärtige Moment warein solcher für Constanze. Lady Erpingham fuhr vor ihremSpiegelbilds zurück, und wendete sich unwillkürlich vondemselben ab. Neben ihr ans dem Tische lag ein Medail-lon, das eine Haarlocke Godolphins enthielt, und ihr vondiesem kurz vor ihrer Vermahlung mit ihm geschenkt wor-den war. Das Ding war höchst einfach, und hob ebendadurch um so dcntsamer sich unter den mancherlei übrigenköstlichen Juwelen hervor, die umher lagen. Als Con-stanze die Locke betrachtete, flog ihr Herz in all seiner»och keineswegs von ihm gewichenen Weiblichkeit zurückzu dem Tage, an welchem er sic ihr unter süßem Geflüstervon ewiger Liebe gereicht hatte.

„O, ihr glücklichen Tage! daß ihr wicdcrkchrcn könn-tet!" seufzte die trostlose Planmacherin,. indem sie dasKleinod küßte, und gesänftigt durch zahllose Rückblickei» die Vergangenheit über demselben weinte. „Dennoch,"fuhr sie nach einer Weile fort, indem sie die Thränenwegwischte—„dennoch ist diese Schwäche meiner »nwcrth.Nicht kommt er zu mir, obschon ich vereinsamt, traurig,