Druckschrift 
4 (1840)
Entstehung
Seite
80
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Gefühlen durchwandert. Könnte das Leben uns jetzt seyn,was es damals war, so mögten wir von Neuem einanderlieben: aber sagen Sie mir, Fanny, hat LebenserfahrungSie nicht zu einem klügeren Frauenzimmer gemacht?Suchen Sie nicht die Gegenwart nur um so mehr zu ge-nießen, die Früchte der Zeit von dem Zweige zu pflücken,bevor sie überreif werden? Ich thue es. Ich verträumtemeine Jugend, und trachte dis Jahre meines männlichenAlters mir auszukaufen."

„Dann," versetzte Fanny mit jener Hurtigkeit, womitdie Weiber es in Herzenssachen all unserer Philosophiezuvorthun, — „dann kann ich prophezeien, daß Sie, seit-dem wir einander nicht sahen, ein weibliches Wesen liebtenoder es verloren. Die Sehnsucht, die den regen Geist zurTräumerei herabstimmt, versetzt den Träumer in hurtigeThätigkeit sey's nun um des Geschäftes willen oder desVergnügens wegen."

„Wahr," sagte Radclyffe, über dessen ernste Stirneine Wolke zog.

„Wahr!" rief Gvdolphin gedankenvoll, und LucillasBild trat vor sein rächendes Gewissen. „Wahr!" wieder-holte er, indem er sich abwendete und mit sich selber sprach;„und diese Worte von müßiger Weiberzunge lehren michdie Beweggründe meiner jetzigen Lebensweise erkennen.Doch fort mit aller Betrachtung! Hab' ich sie doch abge-schworen! Hübsche Cora," sagte er laut, indem er dieSchauspielerin anredete, „Sie find in Ihrer Weisheit einewahre de Stael; inzwischen wollen wir nicht weise seyn,