„Welch ein Bekenntmß!"
»Ja, ja, ein seltenes Bekenntmß; doch dünkt mich,daß die Künste, gleichwie die Trüffeln und Oliven, einenerlernten Geschmack einflößen. Die Leute schwatzen sich dain Bewunderung hinein, wo sie anfänglich Gleichgültigkeitspürten. Wie aber können Sie, Gvdolphin, mit IhrenTalenten, Ihr Leben an solche Spielereien versplittern?"
„Eine sehr höfliche Frage," versetzte Eodolphin un-geduldig. „Erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen, daß ichIhre Lebenszwecke für Spielereien halte ; Ihre Plan-machereien, Ihre Ehrenbezeigungen, Ihr Zeitungenlob,Ihre Stellen im Ministerium, alle jene Dinge, dis durcheine in Mühen hingeopferte Jugend und durch ein inComplotten entwürdigtes männliches Alter erkauft wer-den, — sie halte ich für Spielereien. Nein, Radclyffe,gönnen Sie mir den heiklen Funken heiteren Dasehns,und lassen Sie mich, bevor die Jahre der Krankheit unddes Alters eintreten, wenigstens genießen. Darin liegt
Weisheit. Ihr Lehrglaube ist-- doch ich will Ihnen
nicht in rauher Aeußerung nachahmen!" und Godolphinlachte.
»Gewißlich thun Sie Ihr Bestes," sagte Radclyffe,„um zu genießen. Sie leben gut, Sie schmausen lecker,Ihr Haus ist prächtig, Ihre Villa bezaubernd. Ladp Er-pingham ist die hübscheste Frau ihrer Zeit, und, als obdieß noch nicht genug wäre, dulden die Hälfte der WeiberLondons willig Ihre Huldigung. Dennoch sind Sie nichtglücklich."