Verschiedene Gesandtschaften. 287
niemals gesehen, nicht kennte, jedoch viel von ihm gehörthatte. Hierauf fuhr der Emir fort: „Da ihr von meinemHerrn gehört habt, so wundere ich mich sehr, daß ihr ihmnicht Geschenke übersandt habt, wie der König von Ungarn,der Kaiser von Deutschland, der Sultan von Damascus undandere Fürsten jährlich zu thun pflegen, da sie wissen, daßsie nicht langer leben können, als cs meinem Herrn gefallt;so ihr jedoch meinem Scheich die Erlassung des Tributs,welchen er den Orden des Tempels und Hospitals zahlenmuß, erwirkt, so wird er befriedigt scyn und keine andereForderung an euch machen." Der König, welchen diesesAnsinnen in große Verlegenheit setzte, entließ die Gesandt-schaft mit der Anweisung, nach einigen Stunden wieder zukommen und seine Antwort zu vernehmen. Als sie zur be-stimmten Zeit wieder erschien, so fanden sie bey dem Königeauch die Meister des Tempels und Hospitals, welche ihmzu beyden Seiten saßen; der Emir weigerte sich anfangs,in deren Gegenwart seinen Antrag noch einmal vorzubriu-gen, und entschloß sich erst dazu, als die Meister mit ent-schiedenem Tone ihm sagten: „wir befehlen dir, zu wieder-holen, was du an diesem Morgen gesagt hast." Die beydenMeister beschicken ihn hierauf, am andern Tage bey ihnenim Hause der Johanniter sich einzufiuden, und in dieser Zu-sammenkunft wurde dem Emir eröffnet, daß die Meister derTempler und Hospitaliter nur aus Achtung für den Königvon Frankreich es unterließen, ihn und seine Begleiter wegendes unanständigen Ansinnens, welches sie einem mächtigenKönige gemacht hatten, im Meere zu ersaufen, daß aber derEmir unverzüglich zu seinem Scheich zurückkehren und binnenvierzehn Tagen mit einem geziemenden Schreiben und an-gemessenen Geschenken zurückkehren sollte. Der Emir und