274 Geschichte der Kreujzüge. Buch III. Kap. XIII.
Zu seinen Freunden redete der Herl. Bernhard oft invertraulichen Zuschriften zwar mit frommer Ergebung in denWillen Gottes, aber auch mit Unwillen und Abscheu überdie Sünden der Fürsten und Ritter sowohl als der geringenLeute, welche auf dieser Wallfahrt gewesen, und amschmerzlichsten bekümmerte ihn, daß selbst die zurückgekehr-ten durch das harte göttliche Strafgericht, wovon sie Zeu-gen gewesen waren, sich nicht hatten bessern lassen. „Weheunfern Fürsten!" schrieb er noch vier Jahre nach der Rück-kehr der Wallfahrer an seinen Oheim, den TempelherrnAndreas: „in dem Lande des Herrn haben sie nichts Gutesgethan und in ihren eignen Ländern, wohin sie so schnellzurückgekommen sind, üben sie unglaubliche Bosheit undhaben kein Erbarmen mit der Bedrangniß Josephs. Siesind fähig, Böses zu thuu, nicht aber Gutes. Jedoch wir
solches Gott, welcher der Stifterdieser Fahrt war, schon vorauswußte, so benutzte er, damit seineVorsehung nicht den Zweck ihrerAnordnung verfehlen möchte, ihreBosheit zu seiner Gnade und schickteihnen Verfolgungen und Trübsal,damit sie dadurch geläutert zum Rei-che Gottes gelangen könnten. Viele,welche zurückkamcn, haben uns auchgebeichtet, daß sie viele dort sicrbengesehen, welche erklärten, aern zusterben und nicht wieder heimkehrenzu wollen, damit sie nicht zu ihrenSünden zurückfallen möchten. Da-mit dir aber das, was ich sage,nicht zweifelhaft bleiben möge, soeröffne ich dir, als meinem geistlichenVater in Bekenntnis, daß die Schutz-heiligen unscrs Ortes, die heil. Jo-hannes und Paulus, oftmals unSheimgcsucht haben, welche, als ich
sie wegen dieser Sache befragen ließ,also geantwortet haben: cS'scy einegroße Menge gefallener Engel wegenderer, welche dort gestorben sind,wieder eingesetzt worden. Das wißtaber, daß sie eurer sehr eingedenkwaren und euer Ende als bald kom-mend verkündigten. Weil also dieseSache, zwar nicht nach der MenschenWunsch, aber doch nach Gottes Vor-satz, wohl von Statten gegangen;so geziemt eS eurer Klugheit, sichdeswegen in demjenigen zu trösten,Lessen Ruhm ihr einzig sucht undwünscht. Denn deswegen hat er indieser Sache euch die Gnade crtheiltzu ermahnen und zu wirken, weil erdaS Gute, welches er dadurch hcrvor-bringen würde, vorhersah. Er vollen-de daher glücklich euren Lauf undlasse uns mit euch seine Herrlichkeitschauen."