Die Pilgerhccre im griechischen Kaiscrthum. 107
Sobald also der Kaiser Manuel vernahm, daß diePilgerscharen in Deutschland und Frankreich sich versammel-ten, so ließ er zwey vornehme Botschafter nach Deutschlandeilen, um den beydcn Königen kaiserliche Briefe einzuhan-digen. Aber diese Botschafter, wiewohl der eine von ihnenein italienischer Graf war, erweckten bey den Pilgern keinegünstige Meinung von den Griechen und dem Hofe ihresKaisers. Der Mönch Odo aus St. Denys, ein treuer undglaubwürdiger Mann, berichtet uns von dem Eindrücke,welchen auf die französischen Heere die griechischen Botschaf-ter gemacht, als ihnen der König Ludwig in dem Lager beyNcgensburg in seinem königlichen Zelt feyerlich Gehör gab.Die auffallende Tracht der Griechen, ihre kurzen fest an-schließenden scidncn Kleider und die aufgestreiftcn Aermel,welche ihnen das Ansehen von Faustkampfcrn gaben, er-schienen den Franzosen so auffallend, als ihre sklavischenSitten und Geberdcn widrig und verächtlich. Die Königelind Fürsten bey den Völkern deutschen Stammes lebten da-mals noch wie Vater oder Brüder mit ihren Rittern undschieden sich nicht ängstlich von dem Volke, ihre Söhne undTöchter wurden wie die andern Söhne und Töchter des Lan-des in Zucht und Sitten erzogen ^), und das Glück eines
zwar die bcyden bekannten griechi-schen Geschichtschreiber dieser Zeit,LinnamuS nnd Nicctas, nicht taber wer wird auS ihrem Stillschwei-gen schließen wollen, das, jene Ge-sandtschaft ihnen unbekannt gewesenscy. Daß aber die Besorgnis, dcSKaisers Manuel durch die Gefahr,welche von Sicilien her drohte, garsehr vermehrt wurde, bemerkt Nicc-raS lS- 42) ausdrücklich.
4) Man übte in dieser ErziehungLen Grundsah, daß, wer befehlenwolle, zuvor müsse gelernt haben, zugehorchen. Daher begaben sich selbstdie Töchter von Grafen und Mark-grafen in den Dienst von alternFrauen ihres Standes und dientenihnen als Kammerfrauen. Daraufbeziehen sich die Lehren, welche derTroubadour Amanicu des EScas ei-ner junge» Markgrafin in einem