Der heilige Bernhard.
Nicht leicht verfloß ein Tag, an welchem nicht aus derNähe und Ferne Briefe und Anfragen an ihn gelangten ^).
Bernhard erlangte eine große Herrschaft über sein Zeit-alter, weil mit glänzenden Fähigkeiten das richtigste Gefühlfür die bescheidene Würdigung seiner Kräfte vereinigt war,um seiner Wirksamkeit zu entsagen, wo ihm es unmöglichwar, durchzudringcn. Seine feurige Begeisterung für alles,was ihm als wichtig und heilig erschien, ward durch die ge-naueste Kcnntniß und Schätzung sowohl seiner eignen alsfremder Verhältnisse geleitet, so daß seine Festigkeit undStandhaftigkeit niemals weder in Trotz noch Eigensinn aus-artcte; er war nachgiebig, wo die Sache Nachgiebigkeit for-derte, und felsenfest, wo durch Beharrlichkeit und Stetigkeitdas zu erreichen war, was er für gut.und trefflich hielt ^).Je redlicher sein Eifer für die Religion und die Kirche war,um desto weniger war Bernhard blinder, engherziger Eiferergegen unschädliche Vorurtheile und Jrrthümer. Aber nie-mals leitete eine niedrige Absichtlichkeit oder Menschcnfurchtseine Schritte. Die Beforgniß Andre zu beleidigen, führte
wird wohl von dem heil. Bernhardverlangen, dag er auch die körperli-che Kasteyung für überflüssig hätteerklären sotten; am wcnizsien konn-te er sie Mönchen seincö strengenOidens erlassen wollen.
31) s>rtl. vilr Iler». S. iroi.IIV2. Oarrkr. S. 1141. In einemBriefe an den Abt Peter von Llugni;(Lx. Wy.) klagt Bernhard selbst übersolche grosie Last, welche er kaum zutragen vermöge: „LotcDam, guia,riont akstaiobav, non vatehsm ie-sorihoro. hlempe mnlra eliei mair-
III. Band.
tioirc, gneo Stid coeln est. Mo op-portedat onmiinis rosxunctoro: griia,pcacatis mors cxjzeirtibus, tir koairatris srrin in mrrirstnm, rrt mrilrisct urriltipUaidris sotlioirriäiiitdnrcoirknnciLi: or rrrar." Aehnliche Kla-gen kommen in den Reden über da-hohe Lied vor: m. LH- 7 -
32) Das; Bernhard nachgiebig undmild war zu rechter Zeit, beweisenmehrere seiner Briefe, z. B. Lp. 3z.izü. Dagegen aber auch Beweise ge-nug von Kühnheit und Standhaftig-keit in Behauptung seiner Meinun-gen, z. B. Lp. ihz. uro.
V