Rüstungen gegen Friedrich. 237
gen, die noch keinen Feind gesehen hatten. An Muth fehltees ihnen nicht, und sie thaten es bald den ältesten Soldatengleich. Das gesammte Heer war freilich im Allgemeinenentmuthigt, nur der König nicht. Allerdings erwartete er,es möchten sich seine Gegner wenden wohin sie wollten, denschrecklichsten Ausgang. „Je mehr ich über die Zukunft nach-denke," schrieb er an den Herzog Ferdinand, „desto wenigerMittel finde ich gegen die Ucbel, die ich voraussehe. Dauertder Krieg fort, so sehe ich meinen Untergang vor Augen.Unsere Feinde sind viel zu zahlreich, viele von uns verlierenden Muth und die innere Tüchtigkeit der Truppen fällt sicht-bar. Sie mögen nur unsere Grabschrift machen." Er war,wie er seinem Bruder Heinrich schrieb, entschlossen, mit demDegen in der Hand zu sterben'). Er hatte indessen, wie erselbst in der Geschichte dieser Zeit schreibt"), zwei Bundes-genossen, Tapferkeit und Ausdauer.
Die Oestcrreicher stellten ein Heer unter Daun in Sachsenauf, welches, mit dem Reichshecre etwa 80,000 Mann stark,den König dort festhaltcn sollte, während sich Laudon inSchlesien mit 50,000 Mann einer Festung bemächtigen sollte.Die Russen sollten ebenfalls nach Schlesien gehen und unter-stützt von den Oesterreichern Glogau oder Breslau belagern.Die Franzosen drängten, den ihnen unerträglichen Krieg indiesem Jahre zu enden.
Der König suchte hauptsächlich die Vereinigung derRussen mit den Oestcrreichern zu hindern. Er gab denOberbefehl über das den 80,000 Mann stark heranrückendcnRussen entgcgengestcllte Heer von 35,000 Mann seinem Bru-der Heinrich, dem er schriftlich und mündlich seine Absichtenmittheilte. Er selbst wollte mit 40,00V Mann Sachsen zubehaupten suchen, weil Heinrich gestand, er sehe nicht ein,wie das bei der Uebcrmacht der Feinde möglich sein werdet).Hier erwartete er eine entscheidende Schlacht. Wenn jedoch
1) 2a. Januar 1760 bei Schöning Siebenj. Krieg II. S. 22a.Bergl. die Ansichten des Königs über die bevorstehenden KriegsoperationenMbst S. 228 u. 229.
2) 6i,. XI. a2.
3) Bei Schöning II. S. 2a8.