Vergebliche Friedenshoffnungen.
233
Neuntes Hauptstück.
Feldzüge des Jahres 1760.
Die Feinde Preußens hatten seit dem Beginn des Kriegskeine so wohlbegründetcn Hoffnungen gehabt ihr Ziel zuerreichen, als im Anfänge des Jahres 1760.
Sie hatten allerdings nur Dresden erobert, allein die Be-hauptung dieser Feste durch die Oesterreicher machte den BesitzSachsens für Friedrich II. sehr unsicher, durchbrach die feste Ver-theidigungsstellung, welche er gehabt, und gewährte ihnen selbstdie Freiheit ihre Bewegungen von hier aus gegen Sachsen,die Lausitz und die Mark, wie gegen Schlesien hin zu richten.Dazu hatten die Schläge bei Kay, Kunnersdorf und Maxendas Heer Friedrichs nicht allein an Zahl, die sich nur sehrschwer aus den erschöpften Provinzen ersetzen ließ, sondernauch an Tüchtigkeit, Zuversicht und Unternehmungsgeist ge-schwächt'), welche nicht ersetzt werden konnten. Friedrichsuchte überall, wo sich nur ein Schimmer von Hoffnungzeigte, entweder Beistand zu erhalten oder seinen FeindenSchwierigkeiten zu bereiten, sie zu trennen und zu abgeson-derten Friedensschlüssen zu bringen, weil kaum Hoffnungwar einen allgemeinen Frieden schließen zu können.
Er hatte gehofft, der im August 1759 erfolgte TodKönig Ferdinands von Spanien, dem dessen Bruder Karl,bisher König von Neapel, folgte, würde Verwirrungen inItalien und dort einen Krieg herbeiführcn, somit Franzosenund Oesterreichcr beschäftigen, indem der Herzog Don Phi-lipp von Parma und Piacenza Ansprüche auf Neapel hatte,wogegen seine Herzogthümer an Oesterreich fallen sollten, wäh-rend auch dem König von Sardinien Ansprüche auf Piacenzazustanden. Der König schickte daher den Baron Cocceji untereinem angenommenen Namen nach Turin und machte dem
l) Mitchell bei Raumer S. 472: Zm Heere allgemeine Entmu-tigung, von welcher vielleicht nur der König ftei ist.