Druckschrift 
5 (1854) Von 1756 bis 1763
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

186

Buch Ml. Fünftes Hauptstück.

Fünftes Hauptstück.

Verhandlungen und Zustände in den Jahren1758 1759 .

Die Erklärung, welche den 25. November England undPreusscn durch den Herzog Ludwig von Braunschweig denim Haag befindlichen Gesandten der Krieg führenden Mächtemachen ließen, daß sie bereit seien an zu bestimmendemOrte über Herstellung des Friedens zu verhandeln, war ohneErfolg.

Der belebende Mittelpunkt für die Fortsetzung des Krie-ges, der sonst von allen Theilnehmcrn gern beendet wordenwäre, blieb Maria Theresia. Sie war um so mehr dafürentschieden, weil sie die Hoffnung hatte, endlich, nachdemFriedrichs Kräfte im Feldzuge von 1758 wesentlich geschwächtworden waren, ihr Ziel, mindestens die entschiedene Schwä-chung und Demüthigung Preusscns zu erreichen. Mit gro-ßer Anstrengung brachte sie die dazu vorzüglich nöthigenGeldmittel zusammen, unterstützt von ihrem Gemahl, demKaiser Franz, der ihr aus seinem großen Vermögen, welcheser als Banquier mit mehr Einsicht und Erfolg als dasweniger einträgliche Kaiserthum verwaltete, ansehnliche Sum-men lieh und selbst große Lieferungen für das Heer unter-nahm, welche sein Vermögen noch vergrößerten.

Nächstdem war ihr Verhältniß zu Frankreich von hoherWichtigkeit. Allerdings hatte der Cardinal Bernis den Ver-. Nov. such einen einseitigen Frieden mit Preusscn anzubahnendamit gebüßt, daß er seine Ministerstclle verlor und in Un-gnade fiel. Der König und die Pompadour blieben in ih-rem Widerwillen gegen Friedrich II. standhaft. Der als ge-borner Lothringer dem Hause Oesterreich, dem auch sein Va-ter diente, sehr ergebene Graf Stainville, bisher Gesandterin Wien, war bald als Herzog von Choiscul an BernisStelle getreten und erfreute sich der bcsondern Gunst des