Friedrich im Winter 1738—1759. 191
welche ihm die Waffenruhe während des Winterlagers ge-währte, in gewohnter Thätigkeit zu. „Ich habe meine Win-terquartiere," schrieb er den 1. Marz 1759 an d'Argens'),
„wie ein Karthäuser zugebracht. Ich speise allein und bringemeine Zeit mit Lesen und. Schreiben hin. Zu Abend esseich nicht. Wenn man traurig ist, so wird es auf die Dauerschwer seinen Kummer zu verbergen, und es ist besser fürsich selbst betrübt zu sein, als die Gesellschaft damit zu lang-weilen. Mich richtet nichts mehr auf als die strenge Auf-merksamkeit, welche eine fortdauernde fleißige Arbeit erfor-dert. Sie zerstreut die traurigen Gedanken; aber wenn dasWerk vollendet ist, kehren sie lebendiger zurück."
Er hatte neben seinen vielen andern Geschäften dieseZeit auch dazu benutzt, besonders über die Ereignisse des letz-ten Feldzugs nachzudenken und seine Betrachtungen übereinige Aenderungen niederzuschreiben, welche in der Art derKriegführung zu treffen wären. Diese kleine Schrift wirftin vielen Punkten ein klares Licht auf die Art, wie er seineLage ansah, und überhaupt auf seine Denk- und Handlungs-weise. Nachdem er die Mittel zum nächsten Feldzuge be-schafft und die nöthigen Zahlungen angeordnet hatte, theilteer den geringen zu seiner Verfügung übrig gebliebenen Restmit einigen Freunden, unter denen auch Fouque. Er schicktediesem 2000 Thalcr als eine kleine Unterstützung in dieser 1758kummervollen Zeit und jene Betrachtungen als gesammte 23. Dee.Frucht des letzten Feldzuges ^). „Vegetius hat Recht,"schreibt der König, „indem er sagt: der Krieg soll ein Stu-dium, der Friede aber eine Uebung sein. Das Denken alleinund die Fähigkeit Gedanken an einander zu reihen unterschei-det den Menschen vom Lastthicre. Ein Maulesel, der zehnFeldzüge unter dem Prinzen Eugen gemacht hätte, würdedarum kein besserer Taktiker sein, und man .muß zur Schandeder Menschheit gestehen, daß viele Officiere rücksichtlich ihrerfaulen Dummheit nicht mehr wcrth sind als jenes Maul-thier. Der Gewohnheit folgen, für Nahrung und Obdach
1) Oeuvres XIX. p. 56.
2) Oeuvres XX. p. 113 und 118.