114 Buch VIII Zweites Hauptstück.
noch nicht genug gcthan'). Keith, welcher, wie wir wissen,nach seinem Austritte aus russischen Diensten sogleich alsMarschall von Friedrich II. angestcllt worden war, verbandmit feiner Bildung die Ruhe und äußere Kälte eines Eng-länders, konnte aber deshalb und als Ausländer, ungeachtet .seines Heldenmuthcs nicht das Vertrauen seiner Untergebenenerwerben, welche gewohnt waren unter Führern zu stehen,die durch alle Dicnststufcn im preussischcn Heere cmpor-gesticgcn waren °). Das mag den König veranlaßt habendem ehrgeizigen Prinzen Heinrich bald darauf den Ober-befehl in Sachsen an Keiths Stelle zu übertragen. >
Auch auf andern Punkten erklärte sich das Geschick vor 'Ablauf des Jahres günstig für Friedrich. Das schwedischeHeer befand sich in einem traurigen Zustande. Die Schwe-den waren, wie sie bei mehreren Gelegenheiten bewiesen, nichtso durchaus unkriegerisch geworden, wie man vielfach be-hauptet hat; allein ihre Befehlshaber waren thcils unfähig,theils abhängig und untereinander uneinig. Es ist auchnicht unwahrscheinlich, daß die Königin, die Schwester Fric- 'drichs II., noch, wenn auch nur sehr geheim, eine Parteiunter ihnen hatte. Der Rcichsrath, welcher alles leite»wollte, bestand aus Personen, .welchen alle Eigenschaftendazu fehlten und denen der innere Zustand des Heeres ganzunbekannt war. Sie verlangten große Thatcn und Er-oberungen für Schweden, stellten aber ihre Befehle so aufSchrauben, daß sic im unglücklichen Falle die Schuld aufdie Befehlshaber schieben konnten, welche ihrerseits nichtgeneigt waren die Verantwortlichkeit zu übernehmen. Hierzukam, daß der französische Bevollmächtigte Montalcmbcrt dieBeschlüsse des Senats öfters durchkreuzte, weil er die Kricgs-bewegungcn im französischen Interesse gegen Prcussen zu rich-ten suchte, während die Russen andere Entwürfe hatten. Soschwankten die schwedischen Befehlshaber hin und her, thatcnnichts ganz, noch lieber wenig, am liebsten gar nichts. Fried-rich II. wußte das und beachtete die Schweden daher wenig')-
1) Bcj Schöning Siebenjähriger Krieg I. S- 106.
2) Retzow I. S. 285.
.1) Daselbst S. 391 ff.