Friedrichs Charakterstärke.
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König zu enden in dichterischen Ergüssen an seine Schwe-ster, die geliebte Wilhelmine von Baircuth, und an Amalie,Aebtissin von Quedlinburg, aus'), und seine Schwester Wil-helminc war sehr besorgt, er werde seinen gewaltsamen Ent-schluß ausführen"). „Ein Grab," schrieb sie an Voltaire, 16. Oct.„ist unsere Aussicht, doch eins bleibt, was man uns nichtnehmen kann — Standhaftigkeit
Der König hofft nichts von Gott oder der Vorsehung; erhält seinen Untergang für unvermeidlich, dennoch verzweifelt ernicht so, daß er die Hände in den Schoos legt. Er ist muthigund entschlossen zum Kampfe gegen die alte Knechtschaft undUnwissenheit, welche Deutschland wieder bedrohen'). Er ver-doppelt vielmehr seine Thätigkeit, er bietet dem Unglück dieSpitze. Liegt ihm auch das Ende ziemlich klar, und daß erdas nicht überleben will, bestimmt vor Augen, so ist er den-noch seiner durchaus mächtig und geht von Gegenständender Wissenschaft zu den schwierigsten Staats- und Kriegs-angelegcnheiten mit der größten Leichtigkeit und Sicher-heit über.
Als er auf seinem Marsche von Weißenfels zur Rct- l5. Oct.tung Berlins in Leipzig angekommen war, ließ er sogleichden berühmten Professor Gottsched zu sich rufen und unter-hielt sich mit demselben 3^ Stunde hindurch über Dicht-kunst, Philosophie, Geschichte, Beredsamkeit u. s. w., wieGottsched sagte, einem Gelehrten gleich, der sein Lebcnlangmit sonst nichts beschäftigt gewesen. Der König las demProfessor die Uebcrsetzung einer auf seine damalige Lage sichdeutlich beziehenden Ode des Horatius vor und bezweifelte,daß Gottsched werde eine Ode des I. B. Rousseau gleichschön und kurz deutsch geben können. Gottsched erbot sichdas zu versuchen, schickte dem Könige am folgenden Tagedie Uebcrsetzung und erhielt nach einer Stunde dcs Königs
1) Oeuvres IV XU. p. 36,'43, 57; IV xm. p. 167.
2) Oeuvres de Voltaire IV I.VI1. p. 342, 349.
3) Daselbst p, 353.
4) Siehe Brief an Keith vom II. Octbr. in Varnhagens LebenKelchs S. 173.