Druckschrift 
5 (1854) Von 1756 bis 1763
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

76

Buch Vlll. Zweites Hauptstück.

Dank in einer Epistel desselben, in welcher dieser ihn denSchwan der Sachsen nennt, welcher der geizigen Natur dasGcheimniß entrissen habe durchs seine Gesänge die har-ten und abscheulichen Töne einer barbarischest Sprache zumildern'). ' ,

26 . Oct. Gleich nach seiner Rückkehr nach Leipzig unterhielt ersich wieder zweimal drei Stunden lang mit Gottsched überähnliche Gegenstände wie das erste Mal. Während der Un-terredung abgcrufen, ertheilte er der im Vorzimmer versam-melten Generalität den Befehl zum Angriffe auf den nureine Meile von der Stadt entfernten Feind, kehrte nachwenigen Minuten zurück und setzte die abgebrochene Unter-haltung fort, als ob ihn nichts darin gestört hätte').

Diese bewunderungswürdige Selbstbeherrschung, welcheihn nur selten für Augenblicke verließ"), war es auch allein,

1) Oeuvres 1. XII. x. 82 u. 1. XIII. p. 163. ^

2) Siehe Das Neueste aus der anmuthigcn Gelehrsamkeit NR

S. 122 u. 141, die von G ottsch ed selbst gegebene Nachricht; dann dessenBrief vom 13. Novbr. 1757 in Hcnckels Nachlasse I. S. 321 An-mcrk. 1. j

3)Niemals," schreibt Mitchell, welcher sich damals fortwährend ^

bei ihm befand,ist er cntmuthigt oder außer Fassung." Diese Sclbji- ^bcherrschung verließ ihn nur selten für einige Augenblicke. So mag er swol in einem Ansalle von Verzweiflung seinem Bruder Heinrich den S12. Octbr. auf die Nachricht, daß sein Versuch mit Frankreich Frieden ^zu schließen nicht gelungen sei, davon gesprochen haben, sich sogleich jdas Leben zu nehmen. Hcnckel I. Abth. 2. S. 319. !

Nur in einem Falle gegen einen Mann nahm er eine seiner un-würdige Rache. Er konnte seinen Widerwillen gegen den ihm so »er- ^haßten Brühl nicht unterdrücken und ließ Ende October 1757 auf sei- inem Marsche durch Grochwitz bei Annaburg das Brühl gehörige Schloßdurch seine Garde plündern und gab ihr Hausgeräth, Silbergeschirr, ;Porzellan, Tapeten, Alles preis zum Mitnehmcn oder Verderben. Dai ,aus Ccdcrnholz verfertigte Hausgeräth wurde von den Soldaten verbrämt. -Henckel I. Abth. 2. S. 328. Er zwang dir Gräfin Brühl den 1. April1757, welche er allerdings in Verdacht hatte mit seinen Feinden in un-erlaubter Verbindung zu stehen, Dresden zu verlassen und nach Pollnzu gehen, indem er ihr eigenhändig drohend schrieb, sie und ihr Ehe-Herr, den er verachte, möchten seine Geduld nicht ermüden, oder sie wur-den davon die schrecklichste Wirkung sehen. Siehe Deutsche Kriegskanzleivon 1759 1. S. 394.