Friedrichs Gegner: Rußland, Schweden re. 25
auch weder der Großfürst noch die Großfürstin unmittelbarenEinfluß auf die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten, sokonnte doch Niemand auf die lange Lebensdauer der Kaiserinrechnen, welche sich berauschenden Getränken höchst ausschwei-fend hingab. Welcher Minister oder Feldherr mochte es un-ter diesen Umständen wagen die vorhandenen Kräfte voll-ständig gegen Friedrich II. zu verwenden und sich der Rachedes Nachfolgers auszusetzen? Zudem hatten die Russen, wiees scheint, die Hauptabsicht in Polen festen Fuß zu fassen;dem aber war Oesterreich und Frankreich entschieden ent-gegen ').
In Schweden hatte so eben der Versuch der Königin,' der Schwester Friedrichs II., die Verfassung umzustürzen,welche den König ungemein beschränkte, zwei ihrer Anhängerauf das Schaffet gebracht und andere unglücklich gemacht,zugleich aber die noch größere Beschränkung der königlichenGewalt herbeigeführt. Hier herrschte die an Frankreich ver-kaufte Aristokratie, welche aber lieber das von Frankreich fürRüstungen erhaltene Geld für sich verwenden als Kriegführen wollte.
Polens war man auch nicht durchaus sicher, weil derKrongroßfeldherr Branicki ein geschworner Feind Brühlswar, und Friedrich bei dem zweideutigen Benehmen Frank-reichs in Polen unter der dortigen französischen oder patrio-tischen Partei einen starken Anhang hatte°).
Dänemark und die Niederlande wollten sich nicht inden Krieg hineinziehen lassen und blieben wie Spanien par-teilos. Doch waltete immer einiger Argwohn, Dänemarkwerde sich aus Widerwillen gegen Schweden von Englandund Friedrich II. gewinnen lassen.
Zn der übelsten und schmählichsten Lage befand sich dasdeutsche Reich. Hier herrschte, bei dem völligen Verfalle deskaiserlichen Ansehens und der dadurch fast unumschränktenGewalt der Reichsstände in ihren Ländern, die rücksichtslo-seste und schmutzigste Selbstsucht unter den fürstlichen Häu-
1) Stuhr 7. S. 313.
2) Stuhr 7. S. 293.