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Vier Predigten aus dem Lied der Lieder
Entstehung
Seite
59
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und der Herr ruft doch nicht; da wollen wir wiederweissagen, und der Geist treibt uns nicht; da wollenwir wieder gesalbt seyn, und ist doch kein Oel vor-handen, und wollen andere erwärmen, und unserFeuer ist erloschen. Kurz, anstatt in Stille vor demHerrn zu liegen, und in betender Ergebung der Wie-derkehr seines Pfingsthauches zu harren, wollen wirbei konträrem Winde segeln, und versuchen die Ruderunserer natürlichen Kräfte, und sind darauf aus, denMangel der göttlichen Angeistung aus uns selbst zuersetzen, die Arbeit, welche der Herr allein sich Vorbe-halten, wieder auf die eigenen Schultern zurückzuneh-men, und das lebendige Quellwasser, statt es zu schö-pfen aus dem Fels, der mitfolget, aus dem dürrenSandgrunde unserer eigenen Natur gewaltsam herauf-zupumpen. Wir sind vom Herrn ab, und haben unsin ein bcklagenswerthes, demuthloses Eigenwollen undEigcnwürken hineinverirret und hineinverloren. Undwenn der Herr uns denn die Augen wieder öffnetdann müssen wir mit Sulamith uns richten, und kla-gen : » sie haben mich zur Hüterin der Weinberge ge-setzt, aber meinen Weinberg Hab ich nicht behütet.«Und anstatt mit meiner Seele in dem kostbaren Wein-berg und Paradiese der Gemeinschaft meines Herrnzu bleiben, wo aller Ueberfluß und Kraft die Füllegenug, anstatt zu bleiben an der lebendigen Quelle,und Jesu Führung wie ein Kind mich hinzugeben,habe ich mich verirret in die Wüste eines dünkelvollen

und von Gott entfremdeten Eigenwürkens.-

Genug hiemit. Meine Brüder! als nach derBabylonischen Gefangenschaft die Stadt Jerusalem