Braut: » habt ihr nicht gesehen, den meine Seele liebt.«Unter denen, meint die Braut, müsse Sie wohl findenwas sie suche; — aber ach, auch diese letzte Hoffnungbetrog sic. — Auch hier heißt cs: »ich suchte, aberich fand ihn nicht.« — Mahnung, Rath und Lehre ge-nug, aber kein Leben, kein Frcudcnlicht, keine Liebe,keine Lust am Herrn und seinen Sachen, nichts vondem was sic suchte. — Da hatte sie sich denn mattnnd müde gerannt in den Gassen der Stadt Jerusa-lem, und alles versucht, — aber cs blieb bei der Kla-ge: »ich suchte, aber ich fand ihn nicht.« —
IV.
So hatte cs denn nun allerdings den Anschein,als ob die Braut auf immer von allem Heil hinweg-geschleudcrt wäre, — und doch war sic ihrem Heilnoch nie so nahe gewesen als gerade setzt. Sie standnun auf dem Punkte, zu Christo in das rechte Ver-hältnis; zu kommen und in die Verbindung mit ihm,die ewig wahret. Sie hatte nun alles versucht, umsich für den Herrn, sein Reich und seine Sache zu er-wärmen. — Alles war eitel und vergeblich gewesen,und selbst unter den Wächtern, die in der Stadt um-gehen, hatte sic nicht wicdergcfundcn, was sie verlo-ren. — Todt, wie sie zu ihnen kam, zog sie auch vonihnen wieder zurück. — — Und als sie nun ein we-nig vor ihnen überkam, da, — nun, was geschah'da? da, denk' ich mir, stand sie für's Erste stille,und ging, wohin? sie ging hinein, zunächst in sichselbst, in ihr eigen armes mattes Herz, und fühlte es