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Vier Predigten aus dem Lied der Lieder
Entstehung
Seite
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in unsrer Schwachheit werden, und welchen Muth,und welche Ucberwinderkraft Er in ein blödes, ver-zagtes Menschenhcrz legen könne; und siehe die Gestaltauch dieser Taube trat auf das Lieblichste in die Er-scheinung. Und das wisset denn, ihr geistlichen Tau-ben alle, wenn Jesus euch gleiche Wege führt, Nachtum euch her lagert, oder ein Reiserfcuer um euch heranbrennt; wenn Er euch aus eurem Lager wecket, undLaban auf euch hetzt von hinten her, und Esau vonvorne; so sucht er nur damit Gelegenheit, sein Gna-denwerk in euch, theils selbst zu scheu theils euchund andere sehen zu lassen; und in der dunkeln Füh-rung ergeht an euch der Nus: »Meine Taube in denFelslöchern, in den Steinritzen: Zeige mir deine Ge-stalt, laß mich hören deine Stimme; denn deine Stimmeist süß, und deine Gestalt ist lieblich.«

Was wir da gesagt haben, ist wahr. Ob sich dasaber auch auf unsere Taube im Hohenliede anwendenläßt, ist eine andere Frage. Ich glaube nicht. Mei-nes Bedünkcns ist es hier nicht die Absicht des Herrn,diese Seele aus der Stille und dem beschaulichen Le-ben, ins Gedränge herauszurufen, daß da, was durchdie Gnade Schönes in ihr sey, an's Licht des Tagestrete. Stein, eine unendlich liebreichere und süßereAbsicht uoch scheint mir's zu seyn, die hier dem Rufzum Gründe liegt: »Zeige mir deine Gestalt laßmich hören deine Stimme.« Ich denke mirs also :

Die Seele, welche Jesus hier seine Taube nennt,ist zur Einsicht kommen in sich selbst und ihre Zerrüt-tung und in die Tiefe des schauerlichen Abgrunds,an dessen Rande sic lange unbewußt geschlafen; sie