16
und Erquickungen viele ihr schenkte, — ach Gott!nun erhub sich in ihr das Geschrei nach einem Bür-gen, der für sie einträte, nach einem Mittler, dersich ihrer armen Seele annahme, nach einem Fürspre-cher, der ihr durch's Gericht hülfe, nach einem Er-neuerer, der sie in seine Arbeit nähme und etwas ausihr machte, woran das Auge Gottes einiges Wohl-gefallen haben könnte. — Und was sie suchte, sie fandes in der Person dessen, der ihr bisher mehr nur einlieber Freund gewesen war, welcher ihr das Leben er-heiterte und das Herz fröhlich machte; aber ach, waswar er ihr nicht alles jetzt geworden. » Da ich einwenig vorüber war, da, jauchzt sie, da fand ich denmeine Seele liebt. «
Ist es uns nicht auf gleiche Weise ergangen, meineBrüder? Anfangs hingen auch wir dem Herrn mehrdarum an, weil wir von ihm und seinen Wortenviele Freude hatten, als darum, weil wir uns ohneihn ewig hätten verloren gefühlt. — Das war abernur ein loses Anhängen, eine matte Liebe, die nichtlänger dauerte, als das Freudengefühl unseres Her-zens. War das verschwunden, und die Tafel, da wirLust und Erquickung genossen, abgetragen, dann wa-ren wir ach! wieder los von Christo, und konntenihn zehnmal vcrläugncn in einem Athemzug, auf aller-lei Weise. Aber als wir erst unter des Geistes Er-leuchtung, in uns die ganze verwüstete Kreatur zusehen bekamen, und in Christo den ewigen Blutbürgenund Mittler, dessen Hand allein unser Leben aus denewigen Flammen reißen kann, da war unser Verhält-