512 Frankreich und England in den beiden nächsten Jahrhunderten
übend im Lande umher. Dazu kam, daß sich des Landvolkes, dasin den Kriegöjahren sich unter dem geldbedürftigen Adel sehr schlechtbefunden hatte, ein Drang nach gewaltsamem Sprengen beengenderBande und nach blutiger Rache für lang geduldeten Druck bemeisterte.Dieser Aufruhr, die Iacqueric genannt, kehrte sich mit rasendem Grimmegegen den Adel, legte seine Schlösser in Asche und beging au den Be-wohnern die thierischsten Greuel. Nur langsam wurde dem Rauben,Morden und Brennen Einhalt gethan, wie sich allmälig der Adel er-mannte und seine Kräfte zum Widerstande sammelte und ordnete. InParis aber trat eine Wendung ein, als der Dauphin aus der Stadtentflohen war und durch die Abneigung, die der Adel gegen das empörteBürgerthum hatte, bald einen Anhang fand, das Haupt der PariserEmpörung aber, Marcel, der Vorsteher der Zünfte, bei dem Versuche,zu seiner eignen Sicherheit die Stadt dem Könige von Navarra zuüberliefern, seinen Untergang fand. Die Partei, die seinen Sturz be-wirkt hatte, rief den Dauphin in die Hauptstadt, der harte Strafgerichtehielt. Im Jahre 1359 schloß der König von Navarra, der draußenStädte besetzt und mit Sölduerhaufen das Land verheert hatte, Friedenmit dem Dauphin. Die Verhandlungen über des Königs Befreiungwaren noch immer nicht zu Ende, da die zuerst gestellten Bedingungenvon den Neichsständen verworfen worden waren. Jetzt erschien KönigEduard noch einmal in Frankreich, um das Elend des Landes, das nack-allen Richtungen verheert war, noch zu vergrößern. Gerade die Ver-ödung war durch den Mangel an Lebensmitteln die Ursache, daß erwieder abzog, ohne einen Angriff auf Paris unternommen zu haben.Indessen war durch das neue Erscheinen der Engländer dem Dauphinund den Großen die Nothwendigkcit einleuchtend geworden, den Friedenauch durch große Opfer zu erkaufen. Beiderseitige Bevollmächtigte unter-handelten im Jahre 1360 in Bretignp, einem Dorfe bei Chartres. Eswurde außer einem großen Lösegelde für den König den Franzosen Ver-zicht auf Besitz und Lehenöhoheit für den südlichen Theil des ehemaligenenglischen Frankreichs auferlegt, so daß Poitou die nördlichste und Ro-vergue die östlichste der englischen Landschaften sein sollte. Auch dieGrafschaft Ponthieu und die Stadt Calais nebst einem ansehnlichenGebiete der Grafschaft Guisne, wurde in die Abtretung eingeschlossen.Johann kehrte in ein zerrüttetes Land zurück. Dienstlose Söldnerbanden,durch den Abschluß des Friedens noch vermehrt, streiften unaufhaltsamumher. Erst, als eine große zusammengelaufene Schaar, die sich vorAvignon durch den Papst hatte abkaufen lassen, nach Italien zog undin die Dienste des mit der aufstrebenden Viscontischen Macht kämpfen-den Markgrafen von Montserrat trat, wurde das Land einigermaßenerleichtert. Johann entwickelte nicht die Thätigkeit, die unter solchen