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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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452 Das römisch-dcutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten

gegen die Unwürdigkeit des päpstlichen Hofes zu Avignon Papstthumund kirchliche Negierung angefochten. Seine Lehre fand in Prag Ein-gang durch einen Verkehr, in welchen diese Stadt durch Vermählungeiner Schwester Wenzels mit König Richard II. getreten war. EinLehrer der Universität Prag, Johann Huß, verbreitete dort Wicliffe'scheAnsichten, die bei ihm Anlaß zur Ausbildung einer eigenen häretischenLehre wurden. Zugleich behandelten seine Predigten den Uebelstand derim Klerus eingerissenen Entartung, wodurch er bei seinen Zuhörerneine leidenschaftliche Anhänglichkeit für sich gewann und zugleich die Ach-tung vor dem Ansehn des kirchlichen Lehramtes schwächte. Das hier-durch erregte Aufsehen sachte an der Universität die Eifersucht zwischenBöhmen und Deutschen an. Denn da eine Verurteilung Wiclifse'scher ^Sätze durch die Universität im Jahre 1408 von den Deutschen und den >Polen zu Stande gebracht war, wandten sich die Böhmen, die Hussens !Anhang bildeten, an Wenzel mit der Bitte um Beschränkung der Deut- ^scheu in ihren Vorrechten, und da dieser darauf einging, wurde die Uni-versität von den Deutschen verlassen, was zu der Gründung einer neuenUniversität in der meißnischen Stadt Leipzig Anlaß gab. Das Concil, ^das wegen des Schisma's erwartet wurde, sollte auch die von Prag !ausgehende kirchliche Störung behandeln, die schon wegen irriger Lehren ^über das Wesen der weltlichen Gewalt zugleich die bürgerliche Ordnungberühren mußte. Ehe es aber dahin kam, erfüllte die neue Lehre dasLand mit heftiger Aufregung. Die Bemühungen des Erzbischofs schei-terten an dem leidenschaftlichen Ungestüm unter den Anhängern Hussens,bei welchen sich jetzt zugleich der Grimm über die im Lande immergrößer gewordene Macht der Deutschen entlud. Eine Klage zu Nomhatte Hussens Vorladung zur Folge, der er nicht nachkam. Als JohannXXIII. in Böhmen gegen Ladislaus das Kreuz predigen ließ und denTeilnehmern des Kreuzzuges Ablaß verhieß, griff Huß die Lehre vonder Erlassung der zeitlichen Sündenstrafen an und verbrannte die päpst-liche Bulle. Er verachtete alle ferneren kirchlichen Schritte, die gegenihn geschahen, und verbreitete einen grimmigen Haß gegen die Geistlich-keit, deren Güter einzuziehen er für eine Pflicht erklärte.

29. Das Bild des Zustandes von Deutschland am Schluffe desVierzehnten nnd am Anfänge des fünfzehnten Jahrhunderts vervollstän-digt sich durch Betrachtung der vielfachen Einigungen, welche in demgroßen auseinanderfallendrn Ganzen das Bedürfniß hervorruft. DasBündniß von Hamburg und Lübeck, das schon gleich zu Anfang einBündniß vieler durch jene beiden Städte vertretenen Städte gewesenWar, erweiterte sich, da es den Weg zu gemeinsamer Erwerbung vonHandelsvortheilen in der Fremde und zu Beschirmung des Friedens inder Heimath zeigte, im Laufe des vierzehnten Jahrhunderts zu einem