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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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450 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten

war. Die Verhältnisse Böhmens ließen den König an das Reich kaumdenken. Die fortschreitende Ansiedlung von Deutschen und Einbürgerungdeutschen Wesens weckte Unzufriedenheit. Der Unzufriedenheit begegneteWenzel mit Härte und Grausamkeit. Inhaber verpfändeter Krongüterwurden, da sie die Rückgabe weigerten, hingerichtet. In einem Streitemit dem Erzbischöfe von Prag ging der König so weit, daß er dessenNathgeber selbst folterte und einen derselben, Johannes von Nepomuk,in die Moldau stürzen ließ, wie er schon im Jahre 1383 einen anderenPriester gleichen Namens, den Beichtvater seiner Gemahlin, wegen stand-hafter Bewahrung des Beichtsiegels ans gleiche Weise hatte umbringenlassen. Die Stände Böhmens waren in Feindschaft gegen ihn, und seinBruder Sigismund, König von Ungarn, stand gegen ihn mit Herzog I

Albrecht III. von Oestreich und dem Markgrafen Jodokus oder Jobstvon Mähren, einem Sohne des ehemaligen kärnthnischen Herzogs Jo- !

Hann Heinrich, im Bunde. Im Jahre 1394 brachte der Ausbruch einerVerschwörung ihn in Gefangenschaft, und sein Bruder Johann wurdedurch ein östreichisches Heer verhindert, ihn zu befreien. Währenddieser Zeit bestellten die deutschen Fürsten den Kurfürsten Ruprecht III. ' ,von der Pfalz, Urenkel des Kurfürsten Rudolph, zum Neichsverweser '

und drohten den aufständischen Böhmen, die den deutschen König gcfan- !

gen hielten, mit Krieg. Dadurch kam er zwar in Freiheit, aber der

Friede wurde erst im Jahre 1396 hergestellt, als Sigismund die Be-dingungen vorschrieb. Endlich kam Wenzel im Jahre 1397 nach langerAbwesenheit wieder einmal nach Deutschland, ohne durch seine Anwesen-heit etwas zu nützen. Das Eingehen auf die französischen Pläne in

Betreff des Schisma's vermehrte den Zwiespalt mit den Kurfürsten,

die an dem Papste zu Rom festhalten zu müssen glaubten. Gehäufte

Beschwerden verursachten, daß die vier rheinischen Kurfürsten den Königim Jahre 1400 vor ihren Richterstuhl nach Lahnflein luden, wo sie auchden Kurfürsten Rudolph III. von Sachsen und den Markgrafen Jobstals Inhaber der ihm von Sigismund verpfändeten Mark Brandenburgerwarteten. Da jedoch außer den vier rheinischen Kurfürsten Niemanderschien, fällten sie über den König ein Absetzungsurtheil und wähltenzu Reuse einen aus ihrer Mitte, Ruprecht, zum Könige. Die Neuheitund Eigenthümlichkeit des Verfahrens ließ den Gewählten bei vielenStädten keine Anerkennung finden. Ein Kriegszug, den RuprechtsSohn Ludwig, um Wenzel zur Abdankung zu zwingen, nach Böhmenunternahm, endete ohne diesen Zweck zu erreichen, gewann jedoch dempfälzischen Kurfürstenthum die von Karl IV. zu Böhmen gezogenenGegenden der Oberpfalz wieder. Zu fernerem Bürgerkriege kam esaber nicht, da Wenzels ganze Gegenwehr in Drohungen bestand. Wiewenig auch der neue König vermochte, zeigte sich, als derselbe Behufs