436 Das römisch-deutsche Reich i» den beiden nächsten Jahrhunderten
Tode zur Abtretung bewegen. Karl ertheilte die Belehnung und schloßmit den österreichischen Fürsten eine Erbverbrüderung ans den Fall desErlöschens eines der beiden Häuser Habsburg und Luxemburg. Darübergriffen die Wittelöbacher zu den Waffen, mußten aber nach einem sechs-jährigen Kriege ihren Ansprüchen auf Tirol entsagen. Nachdem sich sodas habsburgische Gebiet vergrößert hatte, erweiterte Karl den Besitzseines Hauses, indem er nach mannigfachen Verhandlungen und Krie-gen bei dem Mangel an Einigkeit im wittelsbachischen Hause nicht alleineinen Theil der Oberpfalz mit Böhmen vereinigte, sondern im Jahre1373 auch die Mark Brandenburg für seinen ältesten Sohn Wenzes-law gewann, während dem entsagenden Kurfürsten Otto die Kurwürdefür die Zeit seines Lebens Vorbehalten blieb. Zwar hatte König Ludwigvon Ungarn sich dieser Vergrößerung der benachbarten böhmischen Machtwidersetzen wollen, aber Karl hatte ihn von einem Bündniß mit denWittelsbachern durch Unterhandlungen abgezogen, welche mit der Ver- >lobung seines zweiten Sohnes Sigismund mit Ludwigs Tochter Mariaendigten. I
21. So wenig Karl IV. ein Kaiser im alten Sinne war, wurde !er doch einmal veranlaßt, das kaiserliche Amt eines Beschützers der sKirche zu üben. Diese Veranlassung kam von Papst Urban V., der aufJnnocenz im Jahre 1362 gefolgt war und sich nach Italien zurückzu-begeben gedachte, um sich des französischen Einflusses zu entledigen unddie dortigen Verhältnisse zu ordnen. Galeazzo und Bernabo Visconti,denen nach ihres Bruders Maffeo II. Tode die Herrschaft allein ge-blieben war, überschritten, gestützt auf die aus allen Ländern zusammen-gelaufenen Söldnerheere, deren Führer nach ihrem Dienstvertrage Con-dottieren hießen, jedes Maß und schalteten auch innerhalb ihres Ge-bietes mit grausamer, ja Bernabo, der sich in seinem Lande Kaiser,Papst und Gott zu sein rühmte, mit boshaft ausgesuchter Tyrannei.Karl reiste, seine Bereitwilligkeit zum Eingreifen zu zeigen, selbst nachAvignon und redete mit dem Papste ab, in Nom mit ihm zusammenzu-treffen. Ehe er von dort zurückkehrte, ließ er sich zu Arles von demdortigen Erzbischöfe die Krone des arelatischen Reiches anfsetzen, dienach ihm Niemand mehr trug. Schon war auch die Grafschaft Vienne,nach einem Beinamen, den ihre Grafen führten, Delphinat oder Dau-phine genannt, in französischen Besitz übergegangen, da der letzte Del-phin Humbert bei seinem Eintritte in den Mönchsstand im Jahre 1347 !
das Land an Philipps VI. ältesten Sohn Johann übergeben hatte,woher in der Folge der französische Thronfolger den Namen Dauphinführte. Im Jahre 1367 trat Urban V. die Reise nach Italien an, zuder auch ein Brief Petrarca's ihn dringend aufgefordcrt hatte. Dorthatte umsonst Albornoz unermüdlich im Bunde mit den übrigen Herren