432 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
knüpften sich noch Befugnisse genug, die sich für jenen ihm näherliegenden Zweck benutzen ließen. In Italien hatten die Ereignisseim neapolitanischen Reiche dessen Einfluß auf die Angelegenheiten derübrigen Staaten abgcschnittcn. Im Norden des Landes entwickeltesich die Macht des Hauses Visconti mit einer solchen Gewalt, daßselbst andere gibellinische Herrscherfamilien, wie die zur Herrschaftvon Mantua gelangten Gonzaga und die in Reggio an ihre Stellegetretenen Este, die Macht des Herrschers von Mailand als eine feind-liche fürchten mußten. Einer fürstlichen Gewalt gingen die gibellinische»Häupter, vor allen die Visconti, dadurch entgegen, daß das Söldner-wesen einriß und nicht mehr die Bürger der Städte die Kriege führten.Denn durch eine besoldete Truppenmacht konnte der Führer von derPartei, die ihn erhoben hatte, unabhängig werden, und das Besoldungs-wesen gab ihm Einfluß auf die Geldmittel der Städte, so daß er an dieSpitze der Verwaltung trat, wie die richterliche Gewalt, früher von demPodesta geübt, schon an ihn übergegangen war. Die Ausdehnung desGebietes wurde sodann ein fernerer Schutz für das Haupt des neuenStaates, da etwanige Versuche einer einzelnen Stadt, sich der willkühr-lichen Herrschaft zu entziehen, durch die Kräfte der übrigen unterdrücktwerden konnten. Schon griff die Macht der Visconti über die Lombardeihinaus. Auf der einen Seite faßten sie in der Nomagna festen Fußund auf der andern Seite beugte sich das von innerer Parteiung zer-rissene Genua so vor ihnen, daß es im Jahre 1353 sich förmlich unter-warf. Auch die Welfen in Tuscien oder Toscana wurden von ihnenbekämpft. Nur der Markgraf von Montferrat leistete ihnen noch nach-drücklichen Widerstand. Während so im nördlichen Italien eine neuegroße Macht sich bildete, war der Kirchenstaat im Begriff in eineMenge kleiner Herrschaften sich aufzulösen. In Nom selbst aber, wo manden zu Avignon wohnenden Gebieter fast vergessen hatte, tauchte einabenteuerlicher Versuch auf, die Herrlichkeit des alten weltbeherrschendenrömischen Volkes zu erneuern. Ein kühner und kluger Mann aus nie-derem Stande, Cola di Rienzi, lieh den träumerischen Erinnerungen anNoms alte Größe begeisterten Ausdruck und stieg zu solchem Ansehnempor, daß er im Jahre 1342 als Mitglied einer Gesandtschaft, die PapstClemens VI. zur Rückkehr nach Rom einladen sollte, das Wort führte,obgleich der große Dichter Petrarca aus Arezzo (geboren im Jahre1304, gestorben im Jahre 1374) dabei zugegen war. Im Jahre 1347riß er das Volk zur Herstellung der Republik hin und bewirkte eineAnzahl von Gesetzen, die auf Beseitigung der eingerissenen Unsicherheitzielten. Seine Macht stieg so schnell, daß die Häupter des römischenAdels die Stadt verließen. Gefeiert als Befreier Roms, das er unterdem Namen eines Tribuns regierte, machte er allen Fürsten, auch dem