422 Das römisch-deutsche Reich in den beiden nächsten Jahrhunderten
schäften von Verona aus durch Cane della Scala und von Lucca ausdurch Castruccio Castracaui.
11. Noch immer war das habsburgische Haus das mächtigste inDeutschland, und wenn Friedrich der Schöne jetzt von Neuem Anspruchauf die Krone machte, so hatte er eine besondere Stütze an seinen vierBrüdern, Leopold, Albrecht, Heinrich und Otto, mit denen er die Länderdes Hauses gemeinschaftlich regierte, und von denen Leopold durch ritter-liche Vorzüge unter allen Fürsten hervorragte. Gerade die Macht desHauses machte es unmöglich die Stimmen der Kurfürsten für Friedrichzu vereinigen. Das Haus des verstorbenen Kaisers hatte wenig Aus-sicht, weil es durch Besitznahme Böhmens ebenfalls eine bedeutendereMacht, als man sie gern unter dem Könige sah, besaß und zugleich demeigentlichen Deutschland etwas entfremdet war. Die Partei des luxem-burgischen Hauses lenkte die Wahl eines Theiles der Kurfürsten aufein Mitglied des wittelöbachischen Hauses, Ludwig, den zweiten SohnLudwigs des Strengen aus seiner Ehe mit König Rudolphs TochterMechthilde. Ludwig war gemeinschaftlich mit seinen Vettern, den SöhnenAlbrechts, in Wien erzogen worden und hatte hier mit Friedrich dasBand inniger Freundschaft geknüpft. Mit Mühe hatte er sich spätervon seinem Bruder Rudolph einen Antheil an der Negierung von Ober-baiern und Pfalz erwirkt. Sein Vetter aber, der Herzog Otto vonNiederbaiern, der ehemalige ungarische König, ernannte ihn zum Vor-mund seiner unmündigen Neffen, und in dieser Eigenschaft hatte er dievon dem Adel veranlaßt Einmischung Oeflreichs zurückzuweisen, was imJahre 1313 durch den Sieg bei Gammelsdorf unweit Moosburg gelang.Die Kurfürsten fanden sich in der Nähe von Frankfurt ein und wähltenin getrennten Lagern, die einen Friedrich, die andern Ludwig. Da diePartei Friedrichs, die um eine Stimme schwächer war, sich der Mehr-heit nicht fügte, und Ludwig von dem Erzbischöfe von Mainz am rechtenOrte, zu Aachen, Friedrich zu Bonn von der rechten Person, dem Erz-bischöfe von Köln, gekrönt wurde, hatte Deutschland jetzt zwei Könige,die von dem Ausgange eines Kampfes die Entscheidung abhängig machten.Der Krieg zog sich unter wechselnden Erfolgen Jahre lang hin. Ludwiggewann während desselben einen großen Vortheil dadurch, daß seinBruder Rudolph, der auf der Seite des Gegners gestanden hatte, gegenJahrgehalt auf die Negierung seiner Länder verzichtete. Dagegen hattedas östreichische Haus einen schweren Schlag in dem Gebiete derWaldstädte, das nach dem bedeutendsten der drei Orte auch die Schweizgenannt wird, erlitten. Die Waldstädte, die sich gleich bei Anfang desZwistes für den Baiern erklärt, hatten im Jahre 1314 das unter öst-reichischem Schutze stehende Kloster Einslcdeln überfallen, und HerzogLeopold, der an der Spitze der Ritterschaft des Landes den Frevel des