Druckschrift 
2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
Entstehung
Seite
411
Einzelbild herunterladen
 

nach dem Ende der Krcnzzttgc.

411

Papstes für ihn wirkte. Ehe es zum entscheidenden Kampfe kam, starbAndreas im Jahre 1301, und mit ihm war das Geschlecht Arpadserloschen. Eine neue Partei bildete sich für den böhmischen König Wen-zeslaw, der aus der zweiten Ehe Ottokars II. mit einer EnkelinBela's IV. stammte, und während er selbst in Polen zum Könige ge-wählt war, die angebotene ungarische Krone für seinen Sohn Wenzes-law annahm. Als der böhmische Königssohn in Stuhlweißenburg gekröntwar, fuhr Bonifacins fort, die Sache seines Schützlings zu führen, undseine Nachfolger verfolgten den eingeschlagenen Weg. Es trat indessenbald an Wenzeslaws Stelle vermittelst einer Uebertragung der AnsprücheHerzog Otto von Niederbaiern, der ein Sohn von Bela's IV. jüngererTochter war. Doch nach muthigem Kampfe gerieth er in Gefangen-schaft des Statthalters oder Woiwodcn von Siebenbürgen, der er durchdie Flucht entkam, um das Land zugleich zu verlassen und über Rußlandund Preußen in seine Heimath zurückzukehren. Die Verwirrung endeteerst im Jahre 1310, als ein Reichstag den neapolitanischen Bewerberzum Könige wählte, welcher das durch Karls II. Tod im Jahre 1309erledigte Reich von Neapel päpstlicher Verfügung gemäß seinem jüngernBruder Robert überließ.

6. Nicht minder suchte Bonifacius die Angelegenheiten der Reichejenseits der Alpen in seinem Sinne zu ordnen. Hier fand er aber inPhilipps III. Sohn und Nachfolger Philipp IV. (1285 1314) denGegner, der ihm und dem Papftthum einen entscheidenden Schlag ver-setzte. Als derselbe mit König Eduard I. von England in Krieg gerathenwar, trat er im Jahre 1295 zu Gunsten Frankreichs mit einer Auf-forderung an Eduard auf, die Feindseligkeiten einzustellen. Beilegungdes Streites mußte er auch schon deßwegen zu einem Hauptgegenstandeseiner Thätigkeit machen, weil er eine Unternehmung zu Wiedererobernngdes nunmehr gänzlich verlorenen heiligen Landes zu Stande zu bringenwünschte. Da der deutsche König Adolph, den Philipps Absichten aufdie Freigrafschaft Burgund beleidigen mußten, sich zu einem Bündnissemit Eduard hatte bestimmen lassen, und ein Verhältnis wie es zwischenPhilipp II., Johann und Otto IV. stattgefunden, zu erneuern schien,wurde an ihn gleiche Abmahnung gerichtet. In der doppelten Absicht,den kriegführenden Theilen die Mittel zu entziehen, und den Klerus,von dessen Vermögen Philipp und Eduard ihre Rüstungen bestritten,gegen Erpressung zu schützen, belegte Bonifacius mit dem Banne jeden,der ohne Genehmigung des römischen Stuhles von Geistlichen außer-ordentliche Abgaben erheben würde. Diese Maßregel beantwortete derKönig von Frankreich durch ein Verbot der Ausfuhr von Gold, Silberund Edelsteinen, womit dem römischen Stuhle die aus Frankreich ihmbisher zugeflvssenen Einkünfte entzogen waren. Auf die hierüber er-