Frankreich, England und Spanien im Zeitalter der Krcuzziigc. 385
lands offen, und Ludwig, dessen Gemahlin eine Enkelin Heinrichs II.war, sollte dieselbe unternehmen. Zwar hatte sich Johann den päpst-lichen Forderungen im Drange der Noth unterworfen, hatte Englandund Irland vom Papste zu Lehen genommen und dadurch Aufhebungdes wider ihn ergangenen Spruches bewirkt, doch Ludwig verfolgte,der päpstlichen Abmahnung entgegen, die Sache jetzt als eine außerhalbder päpstlichen Gerichtsbarkeit liegende, als eine aus dem Erbrecht seinerGemahlin sich für ihn ergebende. Von England aus war indessenwirklich die Krone dem Sohne Philipps angeboten worden. Die Großendes Landes hatten sich im Aufstande gegen den König erhoben und ihmim Jahre 1215 aus einer Wiese bei Windsor urkundliche Zusicherungalthergebrachter und im Laufe der Zeit allmälig erloschener Freiheiten,die Magna Charta, abgedrungen. Vergebens verwarf Papst Jnnocenzdiesen Freiheitsbrief als Eingriff in sein oberlehensherrliches Recht. DieGroßen widersetzten sich selbst da noch, als der Papst den Bann übersie aussprach. Ludwig landete im Jahre 1216 bei Sandwich undkonnte sich, da Johann aus Furcht vor Ueberläuferei seiner Braban-tzonen zurückwich, des Südens von England bemächtigen, erhielt sogarvon dem Schottenkönige Alexander II,, dein Sohne Wilhelms, die Hul-digung. Doch für Ludwig ward der baldige Tod Johanns, der seineMacht zu befestigen schien, der Wendepunkt des Glückes. Das Vedürfnißfremder Hülfe gegen einen gewaltthätigen Herrscher war vorüber, Ludwigward durch Verleihung von Gütern an Franzosen und durch die Raub-gier seiner Truppen verhaßt, und vielfache Thcilnahme wandte sichJohanns unmündigem Sohne Heinrich zu, der auf Betreiben des GrafenWilhelm von Pembroke zu Glocester als Heinrich III. gekrönt wurde,dem päpstlichen Legaten den Lehenseid schwur und, während Pembrokeals Beschützer des Reiches die Negierung begann, die zu Gunsten derköniglichen Gewalt abgeändertc Magna Charta bestätigte. Auch kamaus Frankreich keine neue Unterstützung, da Philipp, von dem der neuePapst Honorius III. Zurückberufung seines Sohnes verlangte, wenigstensoffene Mitwirkung vermied. Ludwig holte selbst Verstärkung in Frank-reich, fand bei der Rückkehr die Stimmung für sich noch ungünstiger, sahsich nach einer bei Lincoln erlittenen Niederlage auf den Besitz vonLondon beschränkt, und neue Verstärkungen, die Bianca ihm nachsandte,erlagen bei der Ueberfahrt an der Küste von Kcnt dem Angriffe einerenglischen Flotte. So schloß er mit seinen Gegnern einen Vertrag, derihm ungestörte Rückkehr gestattete, und in Frankreich löste ein päpstlicherLegat, der während der ganzen Angelegenheit sich in Frankreich undEngland aufgehalten, den Bann, welchen Jnnocenz wegen Ungehor-sams über ihn gesprochen.
0. Während Südfrankreich diesen Begebenheiten fremd geblieben,Kiesel, Weltgeschichte, ll. 25