Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzzügc. Zgg
Schwertbrüdern für Lifland gethan hatten. Demgemäß erschien indemselben Jahre, da Friedrich seinen Kreuzzug nach Palästina antrat,eine Schaar deutscher Ritter unter Hermann von Balk als erstempreußischen Heermeister oder Landmeister und nahm ihren Sitz aufder ihnen eingeräumten Burg Vogelfang an der Weichsel, woraufsie sich noch die zweite Burg, Nefsau, erbaute. Durch deutsche Kreuz-heere .von Zeit zu Zeit unterstützt, eroberten die unermüdlichen Ritterschrittweise das Land. Bei dem Vordringen legten sie Burgen an,deren Befehlshaber Comthure hießen. Um dieselben bildeten sich Städte.So entstanden bald nach der Ankunft des Ordens die WeichselstädteThorn und Kulm. Deutsche Ansiedler erhielt das Land durch zurück-bleibende Theilnehmer der Kreuzzüge, und während so das Christenthumund die neue Herrschaft eine Stütze erhielt, ward der Grimm der Ein-gebornen gesteigert, die eine fremde Bevölkerung mit höheren Rechtenauf ihrem Boden erwachsen sahen. Auch der Handel der deutschen See-städte nahm seinen Weg in das neu geöffnete Land, und aus einerHandelsniederlassung, die im Jahre 1237 gegründet wurde, entstand dieStadt Elbing. Der Wirkungskreis des Ordens, der schon die Neste derRitter von Dobrin in sich ausgenommen hatte, erweiterte sich durch dieVerbindung mit den Schwertbrüdern. Von den Lithauern bedrängt,hofften diese die Sicherung ihres Werkes von dem Anschlüsse an diedeutschen Ritter. Hermann von Balk ordnete nach erfolgtem Anschlüssedie dortigen Angelegenheiten und es kam ein Vergleich mit Waldemarzu Stande, wodurch dieser auf die Nordküste Esthlands beschränkt wurde.Die Eroberung Preußens schritt indessen langsam vorwärts, da von Zeitzu Zeit, wie dereinst in Karls des Großen Sachsenkriegeu, in kaum beruhigtenLandeötheilen die Bevölkerung sich immer wieder erhob. Hülfe, welchedie Empörten von Außen erhielten, erschwerte dem im Kampfe zusanr-menschmclzenden und nicht vcrhältnißmäßig ergänzten Orden die Be-hauptung der Eroberungen um so mehr, als derselbe durch wiederholteAufstände gereizt, nach Unterdrückung derselben durch harte Behandlungder Besiegten auch seinerseits das Volk reizte. Im vierten Jahrzehntdes Jahrhunderts hatte der Orden einen schweren Stand, da Swante-polk, der Herzog des zwischen Persante und Weichsel gelegenen Hinter-pommerns oder Pomerellens, im Unwillen über die von Osten wievon Westen anwachsende deutsche Bevölkerung, als Feind des früher vonihm unterstützten Ordens austrat, und die Preußen sich mit Heftigkeiterhoben. Doch neue Kreuzzüge schafften Hülfe und nöthigten den Herzogzu dem Versprechen immerwährenden Friedens mit dem Orden. Im Jahre1243 konnte Jnnocenz IV. die Grundlage der kirchlichen Verfassungvorzeichnen. Ans dem Kulmer Lande, Pomesanien und Warmien oderErmland wurden drei Bisthümer, deren Sitze Kulm, Marienwerder und
Kiesel, Weltgeschichte. II.