Z50 Das rvmisch-dcutsche Reich im Zeitalter der Krcnzziige.
gestorben war, einen Zag nach dem heiligen Lande in einer ganz andernWeise, als es den kirchlichen Zwecken entsprach. Nach Unterhandlungenmit Sultan Kamel langte er mit einem kleinen Gefolge, wie ein Aben-teurer, über Cppern in Ptolemais an, ohne daß er sich vorher zu demWerke, das doch ein religiöses sein sollte, die Lossprechung vom Bannezu erwirken gesucht hätte.
13. So kam ein Kreuzzng zu Stande, den inan nur darum, weiler das Unternehmen eines Kaisers war und weil kluge Benutzung dermorgenländischen Verhältnisse ihm einen vorübergehenden und schein-baren Erfolg gab, der Reihe der großen Kreuzzüge als sechsten ein-stigen kann, der aber von der Kirche als eine der von ihr gewolltenUnternehmungen nicht anerkannt werden konnte. Den neuen Wider-spruch, in welchen sich der Kaiser nach langer Verschiebung des Kreuz-zuges bei dessen endlicher Ausführung mit der Kirche setzte, brachteGregor der Welt zum Bewußtsein durch Erneuerung des Bannes unddurch die im Morgenlande wie im Abcndlande verkündigte Warnunggegen Anschluß an die Unternehmung. So ging der von den Päpstenneu entzündete Eifer für das heilige Land verloren, und die Begünsti-gung, welche das Unternehmen durch die Größe der in Friedrichs Hän-den vereinigten Macht erhalten konnte, blieb ungenützt. Die Verhält-nisse des Morgenlandes aber waren gerade damals der Art, daß einneuer Aufschwung des Islam rüstigen Angriffen der Christen gegenübernicht möglich gewesen wäre. Das Reich der Esubiden, das zunächst inBetracht kam, war in sich zerrissen. Moattam war noch vor FriedrichsAnkunft gestorben, und ohne auf seines Sohnes David Ansprüche zuachten, theiltc Kamel des Bruders Herrschaft mit einem dritten BruderAschraf, dem bisherigen Beherrscher der östlichsten Theile des Ejubiden-reiches, dergestalt, daß er mit der Würde eines Obersultaus Palästina,jener dagegen Damaskus erhielt. Ueberhaupt dauerten in der Dynastieder Esubiden, so lange sie bestand, innere Streitigkeiten fort. Im In-nern Asiens war von Chowaresmien, dem Lande an der Ostseite des kaspi-schen Meeres, eine neue Herrschaft auögegangen. Der Begründer dieserchowaresmischen Macht war Kotbeddin Mohammed, der zur Zeit Bar-kiaroks die Statthalterschaft des Landes erhalten und die seldschukischeOberhoheit bald zu einem bloßen Namen gemacht hatte. Die neueMacht hatte bis gegen die Zeit von Friedrichs Kreuzzug die seldschuki-schen Reiche des inneren Asiens, so wie das Reich der Sultane vonGhor, das sich, von der im östlichen Korasan gelegenen Landschaft Ghorausgehend, an die Stelle des Reiches von Gasna gesetzt hatte, ver-schlungen. Selbst das Kalifat wurde durch den Chowaresmier Moham-med III., der das Reich auf den Gipfel der Macht erhob, mit demUntergange bedroht. Dasselbe erhielt jedoch eine Fristung seines Da-