Das römisch-deutsche Reich im Zeitalter der Krcuzziige. 313
der Kaiser zu den Gliedern des Reichskörpers, deren Ergcbniß einegänzlich veränderte Verfassung des Reiches war. Das durch GuibertsErhebung entstandene Schisma war durch eine über Nom ziehendeSchaar von französischen Theilnehmern des ersten Kreuzzuges, dieUrban II. wieder in den Besitz der Stadt brachte, aufgehoben worden,und der Gegenpapst hatte im Jahre 1100 sein Leben geendet, nachdemer seine Handlungsweise bereut. Doch der kirchliche Friede, nach welchemHeinrich IV. selbst zu verlangen behauptete und nach dessen Herstellunger das Kreuz nehmen zu wollen erklärte, konnte nicht zu Stande kom-men, weil der Kaiser seine Ansprüche nicht aufgab. Auch versuchte dieschismatische Partei noch dreimal die Aufstellung von Gegenpäpsten,deren Paschalis H. indessen Herr wurde, indem er ihnen die Städte undBurgen in der Nähe von Nom entriß. Heinrich V., der seinem Vateran Anlagen glich, aber seine Kräfte nicht durch Zügellosigkeit zerrüttethatte, schlug bald nach dessen Tode die von ihm betretenen Wege ein. Ver-gebens machte Paschalis auf einem Concil zu Guastalla das Anerbieten,gegen Aufgeben der weltlichen Investitur die weltlich Jnvestirten in ihrenStellen zu belassen, sofern sittliche und wissenschaftliche Befähigung ihnenzur Seite stehe und nicht rechtmäßige Hirten durch sie verdrängt seien.Der Papst begab sich nach Frankreich und versicherte sich des Beistandesdes Königs Philipp für den wahrscheinlichen Fall wieder auöbrechendenKampfes. In Chalons an der Marne empfing er Heinrichs Gesandte underhielt von ihnen auf seine Erklärungen die drohende Antwort, daß dieSache in Nom mit dem Schwerte werde entschieden werden. Diese Ent-scheidung schien heranzunahcn, als Heinrich in Deutschland das unterseinem Vater geschw ächte königliche Ansehn zu neuer Geltung gebracht undPolen und Böhmen zu dem Versprechen der Zinszahlung genöthigt hatte.Im Jahre 1110 forderte eine Gesandtschaft für ihn in Nom die Kaiser-krone, und Paschalis, an den schon Anselm von Cantcrburp wegen seinerNachsicht gegen Heinrichs Investituren eine Mahnung gerichtet hatte, ver-hieß sie unter der Bedingung, daß der König sich als Beschirmer derKirche erweise. Dieser brach, ohne die Rückkehr der Gesandten abzuwarten,mit zwei Heeren über Trient und Jvrea nach Italien auf. Als er siein der Ebene von Noncaglia bei Piacenza, wo die deutschen Könige inder Regel über ihre Macht Heerschau hielten, vereinigt hatte, beganner Unterhandlungen mit der Markgräfin Mathilde, die ihn als ihrenOberherrn anerkannte und dagegen Bestätigung ihrer Besitzungen, sowiedas Versprechen, daß er nichts gegen den römischen Stuhl unternehmenwolle, von ihm erhielt. Nachdem ihn sein Weg über die Apenninenpässebei Pontremoli und durch Tuscien bis nach Sutri geführt hatte undhier seine zurückkehrenden Gesandten zu ihm gestoßen waren, kam eszwischen beiderseitigen Bevollmächtigten im Jahre 1111 zu einem Ver-