29Y Die Krcnzziigc und der Osten im zwölften Jahrhundert
Jahre 1098, gelang es Boemund deren Uebergabe zu bewirken, nachdemer sich den Besitz derselben auöbedungen. So wurde zu einem zweitenselbstständigen Gebiete, zu dem Fürstenthume Antiochien, der Grund ge-legt, und in das neue christliche Reich, noch ehe es bestand, der Grund-satz schwächender Thcilung eingeführt. Die Kreuzfahrer behaupteten denneuen Besitz durch einen Sieg, den sie über den Sultan von Haleberfochten, obgleich derselbe durch seinen Bruder, den Sultan Dokak vonDamaskus, und durch Barkiaroks Feldherrn Kerboga verstärkt war. Sehrgeschwächt kam das Heer vor Jerusalem an, und am 15. Juli 1099gelang ungeachtet der Stärke der ägyptischen Besatzung und des Man-gels an Lebensmitteln und Belagerungswcrkzeugen die Erstürmung derStadt. Die durch lange Leiden gereizten Sieger ließen sich zu einerihres großen Zweckes unwürdigen Grausamkeit hinreißcn, und die Kundevon ihren Gräuelthaten entstammte weithin im Gebiete des Islam dasVerlangen nach Rache, das nur durch die inneren Streitigkeiten dermoslemischen Herrscher in That überzugehen gehindert wurde. Nachdemdie Leidenschaft zur Ruhe gekommen und das Bedürfniß der Andachterwacht und an dem Grabe des Erlösers befriedigt war, mußte dernächste Schritt die Einsetzung eines Königes sein. Der Zwist, welcherhierdurch erregt wurde, fand seine Beschwichtigung, indem man sich inder Erwählung Gottfrieds vereinigte, als desjenigen, den sein Wandelder Krone am würdigsten mache. Er übernahm die Herrschaft, wolltesich aber mit goldner Krone da, wo der Sohn Gottes die Dornenkronegetragen, nicht schmücken und führte fortan nur den herzoglichen Namen.Allmälig ordnete sich nun das neue Reich, daS den Namen eines König-reichs Jerusalem erhielt; der Lehenspflicht gegen das oströmische Reichwurde nicht mehr gedacht. Das Gebiet zerfiel in vier Theile, indemdas Land von Margath südwärts bis zu dem Nähr el Kelb oder demHundöflusse, später nach Eroberung der Stadt Tripolis die GrafschaftTripolis genannt, an Raimund einen besonderen Herrn erhielt, und dasdavon südwärts gelegene Land das unmittelbare Gebiet der Kroneward, welcher die drei nördlichen Gebiete als Vasallenstaaten ange-schlossen sein sollten. Die inneren Verhältnisse konnten sich nicht imLaufe der Zeit entwickeln, sondern wurden von den Gebietern nachMaßgabe ihrer heimathlichen Verhältnisse festgesetzt, wie sic in den späterausgezeichneten Assisen oder Satzungen des Reiches erscheinen. DasLchenswesen gestaltete sich, da der französische Bestandtheil in den Ein-wanderern überwog, in der französischen Weise, wonach der Zusammen-hang der Vasallen mit dem Könige ein sehr loser war, und der Königvon Jerusalem erhielt eine ähnliche Stellung, wie sie der König vonFrankreich als Herzog von Francien hatte. Neben dem Lehenwcsenmachte sich die kirchliche Hierarchie, an deren Spitze der Patriarch von