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2. Die christliche Zeit 1 (1855) Fünfzehn Jahrhunderte
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286 Die Kreuzzüge und der Osten im zwölften Jahrhundert

gelten solle. Aus dem Munde von Tausenden erscholl der Nus: „Gottwill es!" und als Zeichen des gemeinsamen Beginnens, in welchem allebisherige Feindschaft ausgelöscht sein sollte, heftete sich jeder, der demRufe folgen wollte, ein Kreuz auf die rechte Schulter. Die von Ver-mont Heimkehreuden trugen das Feuer der Begeisterung weit umherund das südwestliche Europa entbrannte in heiligem Eifer, das Grabdes Erlösers wiederzugewinnen und das Schwert dem Dienste desKreuzes zu weihen.

3. So begann für einen Zeitraum von zwei Jahrhunderten eineBewegung, welche einer neuen Völkerwanderung glich, die Kreuzzüge.

Wie einst ein Strom saraeenischer Eroberungen gegen Westen gerichtetgewesen war, richtete sich jetzt die christliche Eroberung nach dem Osten,und was im südlichen Italien und Sicilien, sowie in Spanien, gegen !die Saracenen begonnen worden war, schien jetzt durch Angriffe aufAsien selbst vollendet werden zu sollen. Eine Völkerwanderung läßt >sich diese Bewegung jedoch nur in sofern nennen, als aus den Völkern !

sich fortwährend Schaaren nach Asien ergossen, ohne daß Völker die >

Wanderung unternommen hätten. Dabei waltete das cigenthümlicheVerhältnis', daß die Wandernden geregelte Staatsverhältnifse verließen,um jenseits des Meeres nach heimathlichem Muster neue zu gründen. Eswar also nicht, wie die Wanderung der Zerstörer des römischen Reiches,eine Wanderung, welche rohere Völker dem Christenthume entgegenführte,sondern eine Wanderung, welche das Christenthum in der Ferne neubegründen sollte. Auch handelte es sich nur für einen Theil der Wan-derer um Niederlassung auf dem fremden Boden. Für viele waren dieZüge nur kriegerische Unternehmungen, nach deren Beendigung sie nachHause zurückzukehren gedachten, oder Wallfahrten, auf denen sich diePilger nach Bedürfniß auch kriegerischen Unternehmungen, die sie ebenim Gange oder in Vorbereitung fanden, anschlossen. Nachdem auf demersten Zuge die Eroberung eines großen Theiles des heiligen Landesgelungen war, und die Eroberer zur Behauptung des Gewonnenen zu-rückgeblieben waren, hatten die nachfolgenden Züge und Niederlassungendas Ergebniß, dem inmitten moslemischer Umgebung stets bedrohtenchristlichen Gebiete für eine Zeitlang neue Kräfte des Widerstandeszuzuführen. Da aber die Verstärkungen vereinzelt und ohne einen ?Plan erfolgten, bei den unsicheren inneren Verhältnissen des neuenReiches auch deren Verwendung keiner festen Regel unterworfen wurde,hatte die Sache der Christen in Syrien nur ein sehr kümmerliches Be-stehen. Wenige der großen Züge, die auf jedesmalige Kunde von neuerBedrängnis' der Christen unternommen wurden, und die durch die Masseder Streiter, durch Ordnung und Kriegstüchtigkeit, durch zweckmäßigeFührung ausgezeichnet waren, brachten günstige Wendungen hervor,