284 Die Kreuzzüge und der Osten im zwölften Jahrhundert
einstl'iiimung mit denselben sein Amt nicht zum Heile seines Volkesbekleiden konnte. Galt sa doch schon bei den Vasallen in den christ-lichen Lehenreichen als Bedingung für das Behalten der Lehen dasBeharren in der kirchlichen Gemeinschaft. Es bedurfte zur Schlichtunginnerer Zerwürfnisse eines obersten Ansehens, wenn nicht ungestört fort-schreitende Gährung alle gesellige Ordnung in Frage stellen und die °Entscheidung dem Ergebnisse einer Empörung überlassen werden sollte.Ebensowenig als die Päpste durch Ausübung dieses Ansehens die Selbst-ständigkeit der Reiche antasteten, befanden sie sich dann im Widerspruchemit den allgemeinen Ansichten und den wirklichen Bedürfnissen, wennsie neue in der Bildung begriffene Staaten möglichst enge an denrömischen Stuhl anzuschließen suchten. Dadurch sicherten sic nur dieAufführung der neuen Gebäude auf christlicher Grundlage. Selbst woihr eigenes Bestehen und die Bewahrung ihres eigentlichen Staats- f
gebietes Triebfeder ihrer Handlungen war und sie also eine weltliche ^
Staatskunst handhabten, ist nicht zu vergessen, daß sie auch damit derSache des Christenthums dienten, für dessen Gedeihen eben die äußereSicherheit ihres Stuhles eine wesentliche Bedingung war. Wenn sic j
aber Tribute in den verschiedenen Neichen der Christenheit, nicht bloß <
in denen, die ein Lehensverhältniß zum römischen Stuhle hatten, zu serheben Pflegten, so entsprachen diese den Bedürfnissen, welche die aus- !gebreitete mit der kirchlichen Regierung verbundene Thätigkcit erheischte.
Es war auch natürlich und gerecht, daß zur Förderung der allgemeinen s
Zwecke der Christenheit alle christlichen Völker Opfer brachten. S
2. Die Einheit der christlichen Völker begann sich gegen Ende des ^elften Jahrhunderts durch eine allgemeine Bewegung zu betätigen,
welche der Gedanke eines Kampfes gegen die Moslemen im Abend-
lande hervorrief. Seitdem das Land, in welchem einst der Sohn Gottesals Mensch gewandelt, an die Ungläubigen verloren gegangen war,hatte die Christenheit diesen Verlust mit wachsendem Schmerze empfun- ,den. Die Bedrängnisse der Christen im Morgenlande, ihre Trennung !von den Brüdern im Abendlande, die zunehmende Gefahr ihrer Religion ^mußten die Sehnsucht wach erhalten, dem Christenthum das dort Ver- ;lorene einst wiedergewonnen zu sehen. Die Christen hatten seit denTagen der Erlösung aus allen Ländern stets ihren Blick nach den durch sLeben und Leiden des Erlösers geheiligten Stätten gerichtet. Ein Be- l
dürfniß des Herzens führte fortwährend fromme Christen dahin, um ;
dort in lebendigerer Vergegenwärtigung des Erlösungswerkes der An- jdacht zu Pflegen. Schon Conftantin der Große und seine Mutter, die lheilige Helena, hatten die heiligen Orte mit Sorgfalt geschmückt. Die :
Kirche des heiligen Grabes, die damals gegründet worden, war das l
Hauptziel beständiger Wallfahrten, und Viele, die dort im Gebete reichen l