Das oströmische Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 270
Von dauernder Wirkung war, daß unter Constantin durch den PatriarchenMichael Cärulariuö das Schisma erneuert wurde. Vergeblich suchtePapst Leo IX. denselben zur Einheit der Kirche zurückzufichren, undobgleich der nächste Kaiser den Patriarchen absetztc, wurde die der Kirchegeschlagene Wunde nicht mehr geheilt. Die Trennung der griechischenKirche von der katholischen, die auch das kirchliche Schicksal Rußlandsentschied, war vollendet zu der Zeit, als der Islam durch die Seld-schuken eine neue Macht erhielt.
5. Nachdem Constantin, der die Zoe überlebte, im Jahre 1054gestorben war, bemächtigte sich Zoe's Schwester Theodora der Gewaltund ernannte einen Nachfolger in der Person des Feldherrn Michael VI.Stratiotikus. Doch Unzufriedenheit in den Heeren des Ostens beriefin Paphlagonien den tapfern Feldherrn Isaak aus dem mächtigen Hauseder Komnencn zur Negierung, und ein Sieg bei Nicäa stürzte den Gegner,worauf Isaak im Jahre 1057 in die Hauptstadt einzog und die Krönungempfing. Das neue Haus, welches in Besitz der Kaiserwürde gekommenwar, befestigte sich in deren Besitz erst, nachdem die Reihe der aus ihmstammenden Herrscher nach Isaak noch durch vier ihm fremde Herrscher inFolge von Ereignissen, in welchen sich immer das alte Spiel von Ränkenim Palaste und Empörungen im Heere wiederholt, unterbrochen wordenwar. In den Beginn der Begebenheiten, welche mit dem Schlüsse deselften Jahrhunderts die Gestalt der Welt zu verändern anfangen, fällt dieRegierung des zweiten Komnenen Alcrius (1081—1118), eines NeffenIsaaks. In kleinliche Angelegenheiten verwickelt, steht er zwischen demAndrange des Sultans von Jkonium und des normannischen Herzogsund sieht Italien ganz, Kleinasien fast ganz verloren. Zugleich wurdenach Nordwesten hin, wo slavische Staaten nur in halber Abhängigkeitvon dem Reiche gestanden, durch zwei neu emporstrebende Mächte derEinfluß und das Gebiet des Reiches geschmälert. Der König Ladiölawvon Ungarn streckte die Hand nach den Ländern der Kroaten und derSlavonier. Diese Völker wohnten südwärts der Drau und an deradriatischen Küste hin und durch ihre Sprache weisen sie sich aus alsAngehörige des servischen Stammes, obgleich der Name Kroatien sichin der Folge auf einen Theil der zwischen Drau und Sau wohnendenBevölkerung beschränkt hat, der mit den Nachkommen der karantani-schen Slaven eine besondere slavische Sprache, die slavonische, theilt.Den ungarischen Ansprüchen auf diese Gebiete begegnete der venetianischeStaat. Dieser hatte, in die Mitte zwischen das westliche und östlicheEuropa gestellt und durch Handel und Seemacht reich und mächtig ge-worden, bei einer lange dem Namen nach fortdauernden Abhängigkeit vondem oströmischen Reiche, endlich eine selbstständige Stellung erworben.Der Doge, das Oberhaupt des Staates, hervorgegangen aus dem kai-