Das oströmische Reich bis zum Ende des elften Jahrhunderts. 277
Vater seiner Gemahlin Helena, Nomanus Lekapenuö, Basileopatcr oderKaiservater genannt, so sehr zu Ansehn und Macht empor, daß er nebenConstantin selbst den Kaiscrnamen führte. Als er aber im Jahre 944starb, und seine Söhne seine Stelle einzunehmen suchten, ermannte sichConstantin und erledigte sich ihrer, indem er sie in klösterliche Hastbrachte. Unter Consiantins Sohne Nomanuö II. wurde mit Glückgegen die Hamadaniden gekämpft und der auf Kreta entstandene Naub-staat zerstört. Der Kaiser selbst aber, der schon in frühem Alter zur Negie-rung gelangt und mit Bertha, der Tochter des Königs Hugo von Italien,vermählt war, lebte unthätig. Seine zweite Gemahlin Theophanoübernahm nach seinem Tode im Jahre 963 für ihre unmündigen SöhneBasilius II. und Constantin VI. die Regierung, aber während derselbenerhob sich der Feldherr Nicephorus Phokas nach siegreichem Kriege imOsten zum Kaiser, und Theophano vermählte sich mit ihm. Wie er demVolke durch Strenge und Sparsamkeit lästig wurde, stürzte ihn eineEmpörung, und der gleichfalls als Feldherr des Ostens in Ansehnstehende Johannes Tzimisces trat im Jahre 969 an seine Stelle. Ererkannte die Söhne des Nomanuö als Mitregenten au, und vermähltederen Schwester Theophano mit Kaiser Otto, nachdem er die MutterTheophano vom Hofe entfernt hatte. Unter ihm wurde die Vcrthci-digung des Reiches mit Nachdruck betrieben. Die Pctschenegen verspra-chen Ruhe und verweigerten dem Swätoslaw den Durchzug nach demReiche, worauf er, als er ihn doch wagte, im Kampfe mit ihnen denTod fand. Die Vulgaren wurden so gedemüthigt, daß ihr Land in eineProvinz des Reiches verwandelt werden konnte und ihr König denNamen eines kaiserlichen Heerführers annahm. Nach des Kaisers Tode imJahre 976 regierten die Söhne des Nomanus. Sie bewährten zwar keineKraft, aber das Reich erhielt sich ungeschmälert, da die Pläne Otto's II.in Italien scheiterten, und die Bulgaren, die einen Versuch zur Her-stellung ihrer Unabhängigkeit gemacht und Thracien, Makedonien, Thes-salien, Hellas und den Peloponnes überschwemmt hatten, wieder unter-worfen wurden. Selbst über die Servier und Kroaten gewann dasReich wieder eine Oberhoheit. Doch der Plan, die WiedereroberungSiciliens zu versuchen, wurde durch Basilius' Tod im Jahre 1025 ver-eitelt, während in Italien die Normannen, in Syrien die Fatimidenfesten Fuß faßten. Constantin VI., der letzte Herrscher des makedonischenGeschlechts, und seine Tochter Zoe, die seit seinem Tode im Jahre 1028nach einander drei Männern, Nomanuö III., Michael IV. und Constan-tin VII., ihre Hand reichte und ihnen damit zur Kaiserwürde verhalf,sahen ein wechselndes Kriegsglück, in welchem angedeutet scheint, wie dasReich sich nicht zu einer Achtung gebietenden Macht erheben und dochimmer wieder von Neuem sein Leben fristen sollte. Zu einem kräftigen