254 England und der Norden bis zum Ende des elften Jahrhunderts.
Köm'gsgcwalt beschränkende Macht zu gewinnen. Alle Acmter wurdenan Normannen vergeben, und damit das Land sich schneller im Sinneder Sieger umgestalte, wurde die französische Sprache derselben in denSchulen gelehrt, wodurch die Sprache der Angelsachsen sich zu der spä-teren germanisch-romanischen englischen Sprache umzubilden begann.
So erhielt dasselbe Land, in welchem die Angelsachsen das von denRömern angepflanzte Leben vernichtet hatten, unter dem Einflüsse derin Frankreich romanisirten Nordländer ein theilweise romanisches Ge-präge in Verfassung und Sprache. Die Kirche schien Anfangs ausder großen Veränderung Vortheil ziehen zu sollen. Denn Wilhelm,der auch in ihrem Bereiche die Eingeborenen durch Normannen zuersetzen suchte, ließ es gerne geschehen, daß angelsächsische Geistliche ihrerAemtcr unwürdig befunden und von ihren Stellen entfernt wurden.Dadurch erneuerte sich der zum Theil unkirchlich und unwissend gewor-dene Klerus des Landes aus dem damals überlegenen normannischen.
Sv erhielt den Stuhl von Canterburp der fromme und gelehrte Lan-frank aus Pavia, bisheriger Abt des normannischen Klosters Bec.Doch im Gefolge des Lehenswesens stellte sich bald, zumal auch dieBischöfe zur Heeresfolge verpflichtet wurden, die königliche Investiturund mit ihr die Simonie ein. Die Verhältnisse wurden noch schlimmerunter Wilhelms Nachfolger. Bei seinem Tode im Jahre 1087 gab erseinem älteren Sohne Robert die Normandie, und dem zweiten, Wil-helm, England. Wilhelm II. (1087 — 1100), der Rothe genannt,übertraf überhaupt an Willkühr seinen Vater und hatte namentlich fürdie Güter der Kirche keine Schonung, wie für das Gedeihen der Kirchekeine Sorge. Daher kam er, gleich Heinrich IV. und Philipp I., infeindlichen Gegensatz zu Papst Urban II. Die Kirche Englands aberfand ihren Gregor an Lanfranks Nachfolger, Anselmus von Canterburp,der unter Wilhelms Nachfolger den Jnveftiturstreit für England durch- !kämpfte. Die Völkerwanderung des Nordens von Europa war zu Ende,und eine festere Ordnung war wenigstens in sofern eingetreten, alsdie Reiche England, Dänemark, Norwegen und Schweden, jedes fürsich, nun seinen besonder» Bestand hatte. Zwei Versuche des Dänen-königs Sven Eftrithson, die durch Wilhelm den Eroberer in Englanderregte Unzufriedenheit zu abermaliger Eroberung des Landes zu be-nutzen, blieben ohne Erfolg. Der Geist der Unruhe, der die nordischeWelt so vielfach bewegt hatte, dauerte aber im Innern der drei übrigenReiche fort, da der Mangel an einer festen Erbfolgeordnung immerneue Kämpfe um die Herrschaft herbeiführte. Zwar blieb dieselbe inDänemark in Svens, in Norwegen in Haralds, in Schweden, nachdemdas alte auf Nagnar Lodbrok zurückgeführte Königsgeschlecht ausgestvrbenwar, in Stenkils (1057 — 1066) Familie, aber unter den Gliedern